Jürgens Weinlese
„Größere Werte im Keller als die meisten Banken“

Im bayerischen Frasdorf haben die Brüder Unger den größten Weinkeller Deutschlands gebaut. Im Interview erklärt Michael Unger die Aussichten von Wein-Investments und welche Folgen der Brexit auf den Handel hat.

Sie verfügen über kein Ladengeschäft mit Öffnungszeiten und einen gedruckten Prospekt bieten die Gebrüder Unger schon seit mehreren Jahren nicht mehr an. Dennoch zählen Michael und Wulf Unger mit ihrem Unternehmen zu den Top-Händlern von Spitzenweinen. Die beiden Seiteneinsteiger aus der Automobil- und der Finanzbranche haben Unger Weine 1993 gegründet und in der bayerischen Gemeinde Frasdorf kontinuierlich ausgebaut. Ihre Veranstaltungen sind ungewöhnlich - wie zum Beispiel 2008 die erste „Penfolds Wine Clinic“ auf dem europäischen Festland ein, bei der Kunden ihren australischen Spitzenwein neu verkorken lassen konnten. Und sie bieten ihren Kunden den persönlichen Zugang zu den Top-Produzenten weltweit. Ihr neuester Coup: Der Bau eines 1000 Quadratmeter großen Kellers, in dem Weinliebhaber ihre edlen Tropfen lagern können. Das Interview entstand während eines Besuchs bei Michael Unger in Frasdorf.

Hallo Herr Unger, wie sind Sie auf die Idee gekommen, solch einen großen Weinkeller zu bauen?
Weil Kundenbindung für uns ein wichtiges Thema ist. Kunden wollten oftmals Wein nur dann bei uns kaufen, wenn wir diesen gleichzeitig hätten einlagern können. Das konnten wir bislang nicht, unter anderem auch aus versicherungsrechtlichen Gründen. Wir hatten uns dann zunächst für den Bau eines Weinlagers nur für Kunden entschieden. Später sind wir zum Entschluss gekommen, auch anderen Weinliebhabern, also Nichtkunden, eine optimale Lagermöglichkeit zu bieten.

Lagern Sie auch die Weine ihres Unternehmens dort?
Nein, die Keller für Unger-Flaschen sind separat. In dem neu gebauten Keller ist Platz für 60.000 Kisten, derzeit lagern wir rund 1000. Wenn man die Werte in beiden Lagerstätten sieht, dann lagern dort wohl größere Werte als in den meisten Banken.

Sie werben in ihrem Prospekt damit, dass die Lagerung in ihrem Keller kostengünstiger als in einem Kundenkeller sei. Wie würden Sie das einem Weinliebhaber angesichts einer Mindestlagergebühr von 50 Euro für sechs Monate plus Versicherung und Bearbeitungsgebühr erklären?
Das hängt mit der Art der Lagerung zusammen. Wein soll man langfristig nicht über 15-17 Grad lagern. Wenn uns beispielsweise Sammlungen von privaten Weinliebhabern angeboten werden, fragen wir zuerst grundsätzlich nach der Qualität der Lagerung. Die Antwort lautet dann fast immer: „perfekte Lagerung“. Wir fahren dann mit unseren Messgeräten zum Weinliebhaber und stellen meist fest, dass das nicht stimmt. Es gibt keinen privaten, nicht klimatisierten Keller, der so etwas bieten kann. In einem normalen Haushaltskeller haben Sie im Sommer immer 20 Grad und mehr. Und einen speziellen Keller bauen und betreiben kostet sehr viel mehr Geld, als bei uns zu lagern.

Und wenn man entsprechende Lagermöglichkeiten außerhalb des Hauses oder innerhalb des Kellers schafft?
Da haben Sie zusätzlich das Problem, dass der Platz limitiert ist. Die Erfahrung zeigt: Man lagert langfristig immer mehr Wein als eigentlich geplant war. Und wohin dann mit den Weinen?

Das Problem kenne ich aus eigener Erfahrung….
Es ist ein Standardthema bei jeder Familie. Bei uns ist es so, je mehr sie lagern, desto günstiger wird es. Weinliebhaber sollten vor allem das Thema Sicherheit nicht vergessen. Da sind wir auf extrem hohem Niveau. Niemand verfügt zu Hause über solch einen Sicherheitslevel wie wir. Stellen Sie sich vor, Sie fahren in den Urlaub und jemand räumt den Weinkeller leer.

Aber den kann man doch versichern…
Wenn Sie ihren Weinkeller über eine Hausratversicherung absichern wollen, kostet das deutlich mehr als bei uns. Meiner Einschätzung nach sind die meisten deutlich unterversichert. Und man realisiert doch letztendlich gar nicht, wieviel Weine man über die Jahre gekauft hat. Zudem verlieren Sie Weine, an denen Ihr Herz hängt, die durch Geld alleine nicht wiederzubeschaffen sind. Da hilft Ihnen die beste Versicherung nichts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%