Jürgens Weinlese

Große Namen, wenig Geschmack

Wer für die Feiertage Weine aus den Top-Regionen trinken will, findet bei den Discountern ein vielfältiges Angebot. Doch was taugen diese Tropfen? Meine Freunde und ich haben einige einem „Geschmackstest“ unterzogen.
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Die größten Wein-Irrtümer
Weinkönigin Julia Bertram
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Wein ist mehr als ein Getränk: Es ein Lifestyle-Artikel und ein Kulturgut. Dennoch gibt es viele Vorurteile und Halbwahrheiten beim Wein. Sommelier Frank Kämmer, der als erster deutscher Weinkellner zum Master Sommelier ernannt wurde, erläutert mit seinem Buch „Lexikon der Wein-Irrtümer", welche Aussagen über Wein falsch sind. Wir zeigen Ihnen die größten Irrtümer. Unser Bild zeigt Julia Bertram nach ihrer Wahl zur 64. Deutschen Weinkönigin auf einer Bühne in Neustadt an der Weinstraße.

Badische Weinmesse in Offenburg
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Irrtum: Nur Billigweine haben einen Schraubverschluss - Die Verwendung von Naturkork ist russisches Roulette, bei dem schätzungsweise fünf Prozent der Flaschen verdorben werden. Dennoch haben es alternative Verschlussformen wie Schraubverschluss oder Glasstopfen in Deutschland schwer. Im Ausland ist das anders. Nicht wenige Weingüter in Kalifornien und sogar in Frankreich haben sich bereits entschlossen, ihre Flaschen mit einem Schraubverschluss zu versehen. Selbst feiner Bordeaux-Wein bildet da keine Ausnahme.

Irrtum: Chablis ist eine Rebsorte
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Irrtum: Chablis ist ein Rebsorte - In Deutschland trinkt man einen Riesling, einen Pinot Grigio oder einen Rosé - es geht darum, welche Traube oder Rebsorte in der Flasche ist. In Frankreich ist es - bis auf die Ausnahme Elsass - unüblich, die Rebsorte zu nennen. Beim Chablis wird die Rebsorte, der Chardonnay, schon deshalb nicht genannt, weil es gar keinen Chablis geben kann, der nicht aus dieser Traube gekeltert wurde. Für die Franzosen ist die Rebsorte nur ein Faktor von vielen, um einen typischen Wein aus ihrer Region hervorzubringen.

Weinlese vor dem Abschluss
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Irrtum: Rotwein macht man aus roten Trauben - Rotwein macht man aus blauen Trauben. Alle für die Rotweinerzeugung genutzten Trauben weisen - wie hier auf dem Bild - eine dunkelblaue, manchmal sogar schwarzblaue Färbung der Beerenschale auf. Der eigentliche Saft der Beere ist jedoch meist wasserhell und farblos. Beim Rotwein wird - anders als beim Weißwein - durch die Mischung von Fruchtfleisch, Saft und Schalen der Trauben die sogenannte Maische erzeugt. Bei deren Vergärung wird dann der rote Farbstoff aus den Beerenhäuten gelöst. Die Maische nimmt durch den Kontakt mit Sauerstoff die übliche Farbe an.

Legendärer Pariser Weinkeller mistet aus
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Irrtum: Wein wird mit dem Alter besser - Bei einfachen Tischweinen darf man nicht ernsthaft eine Verbesserung durch Reife erwarten. Doch auch bei den großen lagerfähigen „Vins de Garde“ aus Frankreich darf man nicht dem Irrglauben verfallen, die positive Reifeentwicklung verlaufe auf ewig parallel zu seiner Alterung. Vielmehr sollte man sich bewusst sein, dass selbst der haltbarste große Wein einen höchst individuellen Lebenszyklus hat, der sich eher mit einer an- und wieder absteigenden Kurve beschreiben lässt.

Eisweinlese knapp gescheitert
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Irrtum: Über Eisweintrauben muss einmal der Frost gegangen sein - Natürlich liegt es angesichts der Weinbezeichnung nahe, anzunehmen, Väterchen Frost habe seine Finger im Spiel. Doch ein kleiner Frost reicht nicht. Mindestens sieben Grad minus muss das Thermometer zeigen. Deswegen geschieht die Eisweinlese meist kurz vor dem Sonnenaufgang, wenn üblicherweise die große Kälte herrscht. Angesichts des hohen Risikos, die Außentemperatur nicht zu erreichen, relativiert sich der hohe Preis. Ein guter Eiswein fasziniert mit einer explosiven geschmacklichen Spannung zwischen sehr hoher Süße und sehr hoher Säure.

Prickelndes aus Eltville
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Irrtum: Analysewerte beschreiben den Geschmack des Weins - Es wäre ein Fehler, einen Wein im Voraus anhand seiner Analysewerte wie Alkoholgehalt, Gesamtsäuremenge und Restzucker zu beschreiben. Dies sollte stets durch eine sensorische Prüfung geschehen. Denn gute Weine sind komplexe Individuen, die sich nicht mittels ein paar weniger Parameter beschreiben lassen.

Weine aus den Discountern wie Aldi, Lidl, Netto, Penny oder Norma erfreuen sich großer Beliebtheit. Es gibt sogar ein spezielles Buch, das jährlich erscheint und sich mit einem besonderen Stil ausschließlich mit diesen Weinen beschäftigt, die in Discountern und Supermarktketten angeboten werden. Über dieses Buch „Super Schoppen Shopper“ habe ich schon mehrfach geschrieben. Insgesamt 1500 Weine werden in diesem Buch beschrieben.

Spätestens im Monat Dezember erhöht sich das Angebot der Billigheimer. Dann liegen in den Regalen dort die Weine für das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel. Die Preise für diese Tropfen liegen meist über denen des ständigen Angebotes, mit vielversprechenden Namen aus den Top-Weinregionen Europas. Doch halten die Namen, was sie versprechen? Um Antworten auf diese Frage zu geben, habe ich vier „teure“ Weine aus verschiedenen Discountern gekauft und anschließend mit acht befreundeten Weinliebhabern verkostet.

Lagar de Robla, 2008, Vino des Arganza Spanien Vino de la Tierra de Castilla y Leon, gekauft beim Discounter Norma für 5,99 Euro

Dieser Wein, ein Landwein aus dem Nordwesten Spaniens, wirbt mit 91 Punktendes weltweit einflussreichsten Weinkritikers Robert Parker – was übersetzt heißt: ein hervorragender Wein. Doch davon haben wir bei der Verkostung nichts gespürt. Kaum ein Aroma in der Nase, anfangs auf der Zunge noch einigermaßen süffig, aber anschließend ohne Nachhall und Power.

Und die angeblich 18 Monate lange Reifung in amerikanischen Eichenfässern hat dem Landwein auch nicht geholfen. Für mich, der gerne spanische Weine trinkt, und hier aufgrund der klimatischen Bedingungen einen kräftigen Weine erwartet hat, eine Enttäuschung.

Selten habe ich Wein erlebt, bei dem die Parker-Punktezahl und mein Geschmacksempfinden so extrem gegensätzlich sind. Wie kann das sein? Sind die Punkte echt? Ja, denn sie wurden so im Parkers Wine Advocat veröffentlicht. Wurden Sie vielleicht gekauft? Das weiß man nicht, und man wird es nie herausfinden.

Denn es gab vor zwei Jahren bereits einen Skandal, wobei der Ruf der Parker-Benotungswelt speziell für Weine aus den spanischsprachigen Ländern geschädigt wurde. So soll Geld von Kellereien geflossen sein, um damit an Tastings des Parker-Benoters Jay Miller mitmachen zu dürfen. Angeblich sollen allein in der spanischen Region Murica 30.000 Euro geflossen sein, und für das Geld soll es hohe Parker-Punktzahlen gegeben haben. Hier die komplette Geschichte mit dem schönen Titel: „No Pay, no Jay“.

Schließlich benötigt die spanische Weinbranche hohe Parker-Punktzahlen, um die fehlende Nachfrage angesichts der Wirtschaftskrise im eigenen Land durch Exporte wieder wettmachen zu können. Und eine hohe Parker-Punktzahl sorgt immer noch für hohe Umsätze.

Châteauneuf du Pape 2012, gekauft bei Aldi für 9,98 Euro
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