Jürgens Weinlese
Große Namen, wenig Geschmack

Wer für die Feiertage Weine aus den Top-Regionen trinken will, findet bei den Discountern ein vielfältiges Angebot. Doch was taugen diese Tropfen? Meine Freunde und ich haben einige einem „Geschmackstest“ unterzogen.
  • 0

Weine aus den Discountern wie Aldi, Lidl, Netto, Penny oder Norma erfreuen sich großer Beliebtheit. Es gibt sogar ein spezielles Buch, das jährlich erscheint und sich mit einem besonderen Stil ausschließlich mit diesen Weinen beschäftigt, die in Discountern und Supermarktketten angeboten werden. Über dieses Buch „Super Schoppen Shopper“ habe ich schon mehrfach geschrieben. Insgesamt 1500 Weine werden in diesem Buch beschrieben.

Spätestens im Monat Dezember erhöht sich das Angebot der Billigheimer. Dann liegen in den Regalen dort die Weine für das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel. Die Preise für diese Tropfen liegen meist über denen des ständigen Angebotes, mit vielversprechenden Namen aus den Top-Weinregionen Europas. Doch halten die Namen, was sie versprechen? Um Antworten auf diese Frage zu geben, habe ich vier „teure“ Weine aus verschiedenen Discountern gekauft und anschließend mit acht befreundeten Weinliebhabern verkostet.

Lagar de Robla, 2008, Vino des Arganza Spanien Vino de la Tierra de Castilla y Leon, gekauft beim Discounter Norma für 5,99 Euro

Dieser Wein, ein Landwein aus dem Nordwesten Spaniens, wirbt mit 91 Punktendes weltweit einflussreichsten Weinkritikers Robert Parker – was übersetzt heißt: ein hervorragender Wein. Doch davon haben wir bei der Verkostung nichts gespürt. Kaum ein Aroma in der Nase, anfangs auf der Zunge noch einigermaßen süffig, aber anschließend ohne Nachhall und Power.

Und die angeblich 18 Monate lange Reifung in amerikanischen Eichenfässern hat dem Landwein auch nicht geholfen. Für mich, der gerne spanische Weine trinkt, und hier aufgrund der klimatischen Bedingungen einen kräftigen Weine erwartet hat, eine Enttäuschung.

Selten habe ich Wein erlebt, bei dem die Parker-Punktezahl und mein Geschmacksempfinden so extrem gegensätzlich sind. Wie kann das sein? Sind die Punkte echt? Ja, denn sie wurden so im Parkers Wine Advocat veröffentlicht. Wurden Sie vielleicht gekauft? Das weiß man nicht, und man wird es nie herausfinden.

Denn es gab vor zwei Jahren bereits einen Skandal, wobei der Ruf der Parker-Benotungswelt speziell für Weine aus den spanischsprachigen Ländern geschädigt wurde. So soll Geld von Kellereien geflossen sein, um damit an Tastings des Parker-Benoters Jay Miller mitmachen zu dürfen. Angeblich sollen allein in der spanischen Region Murica 30.000 Euro geflossen sein, und für das Geld soll es hohe Parker-Punktzahlen gegeben haben. Hier die komplette Geschichte mit dem schönen Titel: „No Pay, no Jay“.

Schließlich benötigt die spanische Weinbranche hohe Parker-Punktzahlen, um die fehlende Nachfrage angesichts der Wirtschaftskrise im eigenen Land durch Exporte wieder wettmachen zu können. Und eine hohe Parker-Punktzahl sorgt immer noch für hohe Umsätze.

Kommentare zu " Jürgens Weinlese: Große Namen, wenig Geschmack"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%