Jürgens Weinlese
„Kein Wein für DDR-Bonzen“

Zum 25. Geburtstag der Deutschen Einheit gibt es einen Einheitswein, eine Cuvée aus Trauben von allen 13 deutschen Anbaugebieten. Wichtiger Käufer des Weines ist ein Staat, der die Einheit erst noch vor sich hat.

In einem studentischen Projekt der Hochschule Geisenheim, Ausbildungsstätte für die Weinbranche, wurde das Thema Wiedervereinigung diskutiert und auf „Geisenheimer Art und Weise“ aufgegriffen, nämlich mit der „Vereinigung“ von Weinen aus Ost und West - sprich, der Herstellung von zwei Cuvées aus allen 13 Weinanbaugebieten West- und Ostdeutschlands. Diese beiden Weine werden zur 25. Jubiläumsfeier Deutsche Einheit in Frankfurt vorgestellt und von Staatsmännern und Regierungschefs aus aller Welt verkostet. Geleitet hat das Projekt Prof. Dr. Erick Schweickert, der in Geisenheim internationale Weinwirtschaft lehrt. Das Interview mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten wurde telefonisch geführt.

Hallo Herr Schweickert, die Weinwelt redet von authentischen, von rebsortentypischen Weinen, die bei Weinliebhabern begehrt sind. Und Sie bringen ausgerechnet einen Einheitswein auf den Markt? Das klingt nach Einheitsbrei….
Der Begriff Einheitswein ist so negativ besetzt, dass er schon wieder gut ist. Aber das ist nun mal der passende Symbolname für dieses Projekt: Erstmals wurden Weine mit Trauben aus allen 13 deutschen Weinanbaugebieten hergestellt – ein interessantes Projekt von insgesamt rund 500 Studierenden an der Hochschule Geisenheim.

Gab es denn vorher keine anderen Versuche, Weine herzustellen, die auf die Wiedervereinigung anspielen?
Doch, das gab es. 1989 stellten Winzer aus der Pfalz und Rheinhessen den „Durchbruch“ her. Aber das ist nicht zu vergleichen mit unserem Projekt. Unser Wein ist Deutschland in all seinen Facetten.

Übertreiben Sie nicht etwas….
Fassweinwinzer, Flaschenweinbetriebe, Winzergenossenschaften, Weingüter aus dem Verband der Prädikatsweingüter (VDP), konventionell und ökologische arbeitende Betriebe. Trauben, die im Holzfass vergoren und im Holzfass gelagert und welche; die nur im Stahlfass waren. Daraus haben wir unseren Weiß- und unseren Rotwein hergestellt - ein echter Querschnitt durch die Weinvielfalt in Deutschland.

Welche Traubensorten dominieren?
Beim Rotwein der Spätburgunder, ergänzt um die Rebsorten Regent und Domina. Der Weißwein ist vielfältiger. 60 Prozent Riesling, ansonsten Chardonnay, Müller-Thurgau, Scheurebe, Weißburgunder, Silvaner und Solaris.

Kamen die ostdeutschen Rebsorten auch zum Zuge, oder dominieren die westdeutschen?
Wir haben die Zusammensetzung der beiden Weine durch Blindproben ermittelt. Dabei kam für mich ein überraschendes Ergebnis heraus. Die beste Zusammensetzung der beiden Weine entsprach ungefähr dem jeweiligen Anteil an den deutschen Weinanbaugebieten. So hat zum Beispiel Baden einen Anteil von 15 Prozent an der deutschen Weinproduktion, im Cuvée sind es 13 Prozent.

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