Jürgens Weinlese
„Kein Wein zu Schnäppchenpreisen kaufen“

Das Fälschen von Weinen ist mittlerweile ein millionenschweres Geschäft geworden, bei dem einige viel Geld verdienen können – oder ins Gefängnis müssen. Worauf Weinliebhaber achten sollten.
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Wein zu fälschen ist fast so alt wie die Menschheit. Bereits im achten Jahrhundert vor Christus prangerte der griechische Dichter Homer die Gewürze und Parfümstoffe an, die damals dem Wein hinzugefügt wurden. Auch wenn das genau genommen damals keine Weinfälschung war: „Das ist ein uraltes Thema“, meint Diplom-Önologe Michael Grimm, Inhaber der Bacchus-Vinothek, einem Fachgeschäft für feine und rare Weine.

Mittlerweile ist daraus aber ein millionenschweres Geschäft geworden. So haben allein im vergangenen Monat die italienischen Behörden mehr als 165 000 Flaschen billigen Rotwein beschlagnahmt, der als toskanisches Spitzenprodukt angeboten wurde. Nach einem Tipp örtlicher Winzer haben die Ermittler gefälschten Brunello di Montalcino sowie Rosso di Montalcino gefunden.

Anhand falscher Dokumente und Online-Zertifikate konnten Trauben von geringer Qualität als hochwertig angeboten werden. Noch im Mai 2014 hatten Ermittler 30 000 Liter eines gewöhnlichen Rotweins beschlagnahmt, der als Spitzen-Chianti und Brunello di Montalcino etikettiert worden war. Der Wein wurde zehnmal teurer verkauft als er tatsächlich wert war.

Allein 21 Millionen US-Dollar hat sich Rudy Kurniawan mit gefälschten Weinen erschwindelt und Sammler sowie Auktionshäuser betrogen. Dafür wurde er im August 2014 zu zehn Jahren Haft verurteilt. „Dr. Conti“, wie Kurniawan wegen seiner Vorliebe für das französische Weingut Romanée-Conti in der Region Burgund genannt wird, wurde offensichtlich auch sein „Größenwahn“ zum Verhängnis.

Er wollte Flaschen des Weingutes Clos St. Denis von Ponsot, Jahrgänge 1945 bis 1971, verkaufen. Doch das Weingut Ponsot warnte, dass es vor 1982 gar keinen Clos St. Denis produzierte habe. Bei einem Treffen mit den Ponsot-Verantwortlichen machte Kurniawan glaubhaft, selbst getäuscht worden zu sein.

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