Jürgens Weinlese
„Migräne-Wein“ von Ex-Banker Gribkowsky

Eine Münchener Gerichtsvollzieherin lässt die beschlagnahmte Sammlung von insgesamt 892 Weinflaschen des Ex-Bankers Gerhard Gribkowsky versteigern. Doch die Preisvorstellungen sind völlig überzogen.
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DüsseldorfIm Auftrag einer Münchner Gerichtsvollzieherin startete am gestrigen Mittwoch eine amtliche Weinauktion: Die beschlagnahmte Sammlung von insgesamt 892 Weinflaschen des Ex-Bankers Gerhard Gribkowsky wird auf der Seite Justiz-Auktion.de als Komplettangebot versteigert.

Das Startgebot liegt bei 18.900 Euro – die Kollektion muss ein möglicher Käufer allerdings selbst abholen. Bis zum 3. September bleibt die Auktion online. Bislang gibt es noch kein Gebot.

Den Wert der Weine schätzt die Behörde laut Liste auf fast 38.000 Euro. Diesen Betrag wird die Behörde aber garantiert nicht erzielen. Auch die BayernLB, die von der Auktion profitieren soll, dürfte noch länger auf ihr Geld warten. Wenn Sie überhaupt aus der Versteigerung eine nennenswerte Summe erzielt.

Selbst wenn ich das Geld hätte: Ich würde nicht einmal 18.900 Euro bieten. Die Preisvorstellungen sind völlig überzogen. Bestes Beispiel: Ein 1999er Ornelaia von dem gleichnamigen Weingut aus der Toskana steht in der Liste der Gerichtsvollzieherin mit 180 Euro – macht bei sechs Flaschen 1260 Euro. Doch ein 15 Jahre alter Ornelaia wird derzeit pro Flasche auf Weinauktionen mit 111 Euro gehandelt. Und die Händler wollen dabei auch noch Geld verdienen.

150 Euro für einen Duhart Milon, Jahrgang 1996er, liegt so 80 bis 90 Euro über dem realistischen Preis. Und ein 2001 Peyre Lebade zu 30 Euro? Dieser in Fachkreisen als „Supermarkt-Lafite“ bezeichnete Wein (Lafite ist eine der berühmtesten Weingüter im Bordeaux) kostet so 16 bis 18 Euro. Der 1998er Jahrgang von Peyre Lebade ist bei Auktionen für sechs bis acht Euro erhältlich.

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„Migräne-Wein“ von Ex-Banker Gribkowsky

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Wein vom Chateau Migraine

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