Jürgens Weinlese
„Nichts ist schlimmer als ein leeres Weinglas“

Handelsblatt Online-Autor Jürgen Röder hat das kreative Chaos vier italienischer Weinregionen erlebt und erfahren, wo man gute Tropfen günstig kaufen kann – aber auch, von welchen Flaschen man die Finger lassen sollte.
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Italien ist als Weinland immer eine Reise wert. Ich habe in den vergangenen Wochen „Bella Italia“ bereist, viele Winzer besucht und versucht zu ergründen, warum das Land so viel Wein produziert und exportiert. Denn Italien liegt an Platz eins, was den Verkauf seiner Weine in andere Länder angeht. 24,30 Millionen Hektoliter wurden 2011 von dort exportiert, mehr als beispielsweise Spanien und Frankreich in andere Länder verkauften.

Zum Vergleich: Deutschland liegt mit 7,10 Millionen Hektoliter auf Rang sieben in dieser Statistik. Ein Grund für Italiens Spitzenposition: die vielen italienischen Auswanderer und italienischen Restaurants weltweit, die als Patrioten lieber ihren italienischen Wein verkaufen.

Neben den vielen ausgezeichneten Tropfen ist das Geheimnis des italienischen Weins auch das kreative Chaos. Beispielsweise haben die Italiener die Bezeichnungen DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) für Spitzenweine und DOC (Denominazione di Origine Controllata) für Qualitätsweine erfunden. Doch wie viele Spitzenweine es wirklich gibt, weiß keiner so genau, denn es gibt keine offizielle Liste.

Aber es gibt rund eine Millionen landwirtschaftliche Betriebe, die Wein anbauen, mehr als 300.000 Keller und 45.000 Betriebe, die Wein abfüllen. Insgesamt sind zirka 1.000 Rebsorten in den verschiedenen Regionen registriert. Oder so ähnlich. So ganz genau wissen das auch die Italiener selbst nicht. Die italienischen Weinregionen reichen von Südtirol bis Sizilien und könnten nicht unterschiedlicher sein.

Vier ganz verschiedenen Weinregionen habe ich besucht: Piemont, Toskana, Apulien und Basilikata. Die zahlreichen Weinverkostungen waren ein Erlebnis, und eines hatten sie gemeinsam: Alle Winzer waren stolz auf ihr Produkt. Ein deutschsprachiger Winzer scherzte bei einer Verkostung: „Es gibt im Leben nichts Schlimmeres als ein leeres Weinglas“, und schenkte mir gleich nach. In jeder der vier Regionen habe ich viel entdeckt – auch manches Schnäppchen.

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  • Die Exportmenge aus Italien liegt nicht unbedingt nur an den Italienischen Restaurants weltweit. Erhebliche Mengen einfachster Qualität werden in Deutschland zu Sekt verarbeitet (Rotkäppchen und Konsorten lassen grüßen).

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