Jürgens Weinlese
„Sauvignon Blanc braucht Stress“

Aus der Allerweltstraube Sauvignon Blanc stellen Winzer in Neuseeland Weine mit einzigartiger Aromatik auf Weltniveau her. In einer Region und mit Methoden, die mit deutscher „Moselromantik“ nichts zu tun haben.
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Dieses Problem kennen nur wenige Winzer: „Ich brauche unbedingt mehr Stahltanks“, sagt Dr. John Forrest, Inhaber von Forrest Wines, im April, während der Ernte im Jahr 2014. Sein Weingut liegt in Marlborough, der bekanntesten Weinregion Neuseelands. Dort wird eine Allerweltstraube angebaut, deren Aroma aus dieser Region aber weltweit einzigartig ist: Sauvignon Blanc.

An der Loire werden aus dieser Traube Weine mit Weltruhm wie Sancerre und Pouilly Fumé, aber auch Fumé Blancs hergestellt. Auch die Steiermark in Österreich präsentiert sich als Region mit mineralisch, eleganten Weinen aus dieser Rebsorte. Doch nirgendwo werden derartig aromatische Sauvignon Blancs hergestellt wie in Marlborough.

Dort liegt der Ursprung des neuseeländischen Weinbaus, der in dieser Form erst 1973 begann. Damals wurden erste Sauvignon-Blanc-Reben gepflanzt. Aus Marlborough kommen viele Weine, die frisch sind wie eine Meeresbrise. Weine mit klaren, prägnanten Fruchtaromen wie Stachelbeere oder Kiwi oder grüner Spargel, markanter Säure und schlankem Körper. „Unser Sauvignon Blanc ist der meist verkaufte Wein in Australien“, erläutert John Forrester stolz und gesteht ein: „Dafür mögen uns die Australier nicht besonders“.

Marlborough ist gleichzeitig Big Business. Und das Geschäft wächst. Das ist auch der Grund, warum auf dem Forrest-Weingut Stahltanks fehlen. Während in vielen deutschen Anbaugebieten Winzer über die geringe Erntemenge der Jahrgänge 2012 und vor allem 2013 klagen, haben neuseeländische Winzer das Rekordergebnis des Jahres 2013 in diesem Jahr nochmals getoppt: Nach 345.000 Tonnen im Jahr 2013 wurden nach Angaben der Vereinigung New Zealand Winegrowers in diesem Jahr 445.000 Tonnen eingefahren, ein Plus von 29 Prozent.

70 Prozent der Ernte besteht aus Sauvignon Blanc mit etwa 310.000 Tonnen und damit 35 Prozent mehr als 2013. Dahinter kommen die Sorten Pinot Noir (Spätburgunder, rund 36.500 Tonnen) und Chardonnay (knapp 29.000 Tonnen). Um einen Eindruck von dem rasanten Wachstum zu bekommen: Noch 1999 – erst vor 15 Jahren - haben 60 Winzer eine Fläche von 3500 Hektar in Marlborough bearbeitet, jetzt sind es 23.000 Hektar.

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