Jürgens Weinlese: Warum Krimsekt als russisch gilt

Jürgens Weinlese
Warum Krimsekt als russisch gilt

Russland will die Krim wieder mit Macht zurückholen. Der bekannteste Exportartikel der Halbinsel gehört den Russen bereits schon – zumindest in der Wahrnehmung der deutschen Konsumenten.
  • 0

Die Ukraine ist gespalten – in die westlich und die russisch Orientierten. Einig sind sie sich aber in Sachen Wein. Sie vergleichen ihre Böden auf der Krim, auf denen bereits im vierten Jahrhundert vor Christus Wein angebaut wurde, mit denen in der französischen Champagne-Region. Aus der Krim stammt auch der Krimsekt, der Schampanskoje.

Doch im Vergleich zur Champagne hat die Krim einen wesentlichen Nachteil. Der Begriff Krimsekt weist nicht auf eine bestimmte Herkunftsregion hin, hat also keinen rechtlichen Schutz. Im Gegensatz dazu dürfen die Trauben für Champagner nur in der französischen Region reifen und auch dort abgefüllt werden. Die Trauben des Krimsekts hingegen reifen zum Teil außerhalb der Krim, in den Regionen um Odessa, Kiew Charkiw und insbesondere in Artemiwsk. Auf dem Korken sollte nur das Jahr der Abfüllung stehen.

Dieser rechtliche Schutz ist ein Grund, warum Champagner auch erheblich teurer ist. Preise im dreistelligen Bereich sind für einen guten Champagner keine Seltenheit, während Krimsekt, auch wenn er nach der gleichen aufwendigen Methode hergestellt wird, nur zwischen zehn und 15 Euro kostet. Laut Wikipedia werden jährlich 50 Millionen Flaschen Krimsekt produziert und kommen unter verschiedenen Markennamen in den Handel, zum Beispiel unter Krimskoye, Sojus Krim, Zarskoje, Ukrainskoje oder Fürst Alexej.

Der Name Krimsekt selbst wird hier in Deutschland in den meisten Fällen nicht mit der Ukraine in Verbindung gebracht, sondern mit Russland. Im Volksmund heißt er „russischer Champagner“. Und laut einer Umfrage während der olympischen Spiele bekundeten Deutsche Fernsehzuschauer, sich verstärkt für russische Lebensmittel und alkoholische Getränke aus Russland zu interessieren. Vorne lag Wodka, gefolgt vom ukrainischen Krimsekt…

In Deutschland werden nach Daten des Forschungsinstituts Nielsen pro Jahr rund 820 000 Flaschen Krimsekt verkauft, der sich in zwei Marken aufteilt: Krimskoje und Sojus Krim. Marktführer für den ukrainischen Krimsekt ist nach eigenen Angaben das sowjetische Im- und Exportunternehmen Simex mit Sitz in Jülich, das Krimskoje – und die russische Wodkamarke Moskovskaya – vertreibt. Die Trauben reifen zwar auf der Krim, abgefüllt wird aber in der ukrainischen Stadt Artyomovsk nördlich der Halbinsel.

Seite 1:

Warum Krimsekt als russisch gilt

Seite 2:

Krimsekt, der in der Flasche gärt

Kommentare zu " Jürgens Weinlese: Warum Krimsekt als russisch gilt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%