Jürgens Weinlese
Website gegen Weinfälschungen

Betrüger Kurniawan hat Wein im Wert von über 100 Millionen Dollar gefälscht. Aber keiner weiß, wie weit verbreitet das Problem ist. Denn es ist schwierig, Fälschungen zu erkennen. Eine Website will Abhilfe schaffen.
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Der Weinbetrüger Rudy Kurniawan sitzt zwar sicher hinter Gittern, doch viele seiner Fälschungen schwirren noch immer durch die Weinkeller - neben einer Menge anderer verdächtiger Flaschen. Nun startet die Weinberaterin Maureen Downey Anfang April eine Webseite, die Liebhabern edler Weine beibringen soll, was echt ist und was nicht.

Hier werden Seminare über das Erkennen von Fälschungen angeboten sowie eine Fotogalerie, die echte Weine mit verdächtigen Flaschen und Etiketten vergleicht. Downey hatte der der amerikanischen Bundespolizei FBI geholfen hatte, Kurniawan auf die Schliche zu kommen.

„Winefraud.com wird eine Quelle für alle sein, die eine sorgfältige Prüfung seltener Weine vornehmen wollen“, sagt sie. „Vorher konnte man nirgendwo etwas über diese Dinge erfahren.“

Keiner weiß, wie weit verbreitet das Weinproblem ist. So gilt China als das Eldorado der Weinfälscher. Der Staatssender CCTV berichtete im 2013 Jahr über ein Hotel in der Südmetropole Guangzhou, das jährlich 40.000 Flaschen Château Lafite verkauft. Der Haken: Das Weingut liefert jährlich nur rund 50.000 Flaschen nach ganz China. Experten zufolge gehen dort rund 300.000 Flaschen in den Handel.

Mehr als acht von zehn Flaschen Château Lafite sind also gefälscht. Um den Wert zu verdeutlichen: Eine Flasche Lafite des Jahrgangs 2010 kostet auf Weinauktionen laut der Plattform Wine-Stocks derzeit mehr als 600 Euro, ein 09er mehr als 750 Euro.

Downey schätzt den Wert der Fälschungen, die Kurniawan von 2002 bis zu seiner Inhaftierung im Jahr 2012 auf den Markt geworfen hat, auf grob 130 Millionen Dollar (115 Millionen Euro) beim damaligen Verkauf. Hinzu kommen hunderte Flaschen von einem halben Dutzend anderer Betrüger, die in den vergangenen paar Jahren verurteilt wurden - und auch von jenen, die noch nicht aufgeflogen sind. Die Summe könnte also locker auf mehrere hundert Millionen Dollar steigen.

Für ernsthafte Sammler, die sich weiterbilden wollen oder einfach über die jüngsten Wein-Betrügereien und Nachweisverfahren auf dem Laufenden bleiben wollen, könnte sich eine Anmeldung auf der Webseite durchaus lohnen. Billig wird das allerdings nicht: Die Kosten bewegen sich um “hunderte Dollar”, sagt sie. Das sei aber noch immer günstiger, als einen Experten einzustellen, der die Flaschen im Weinkeller persönlich unter die Lupe nimmt.

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