Jürgens Weinlese
Wein wird knapp

300 Millionen Kisten Wein - so groß ist die Lücke zwischen dem Angebot und der Nachfrage weltweit. Diese Diskrepanz wird nach einer Studie von Morgan Stanley die Weinwelt verändern.
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Der Welt droht ein Weinmangel. Das behauptet die US-Bank Morgan Stanley. „Das Angebot wird unseren neuesten Daten zufolge die Nachfrage in den kommenden Jahren nicht befriedigen können“, heißt es in der aktuellen Studie. Die Analysten beziffern die Lücke des vergangenen Jahres zwischen dem geringeren Angebot und der höheren Nachfrage auf 300 Millionen Kisten. Dies sei die höchste Diskrepanz in den vergangenen 40 Jahren seitdem Morgan Stanley die Weinerzeugung beobachtet.

Laut der US-Bank ist die globale Weinnachfrage seit 1996 stets gestiegen und liegt derzeit bei drei Milliarden Kisten. Lediglich während der Finanzkrise gab es einen konjunkturbedingten Einbruch. Die steigende Nachfrage sei darauf zurückzuführen, dass Chinesen und Amerikaner mehr und mehr Wein trinken. Hinter Frankreich sind dies mittlerweile die Länder mit dem höchsten Weinkonsum. Im Gegenzug produzieren die eine Million Weingüter weltweit rund 2,8 Milliarden Kisten jedes Jahr.

Als Folge dieser Diskrepanz erwarten die Autoren der Studie zudem eine deutliche Reduzierung der Weinlager, da die Winzer ihre vorherigen Jahrgänge besser verkaufen können. Zudem dürfte der Export von Weinen deutlich ansteigen, verbunden mit höheren Preisen.

Auf dem europäischen Kontinent ist die Menge des produzierten Weines im vergangenen Jahr um zehn Prozent gefallen und liegt damit 25 Prozent unter dem höchsten Stand im Jahr 2004. Gleichzeitig steigt die Produktion in der Neuen Welt – USA, Australien, Argentinien, Chile, Südafrika und Neuseeland – weiter an. Dementsprechend erwartet Morgan Stanley, dass die Winzer aus der Neuen Welt von dem Weinmangel profitieren werden.

Auch in Deutschland liegt die Weinernte in diesem Jahr nach Schätzungen des Deutschen Weininstituts unter den Erwartungen. Bundesweit wurden nur etwa 8,4 Millionen Hektoliter Weinmost geerntet. Damit liegt der Ertrag sieben Prozent unter dem des Vorjahres und neun Prozent unter dem zehnjährigen Mittel von 9,26 Millionen Hektolitern. Allerdings fallen die Ernteergebnisse rebsorten- und witterungsbedingt in den einzelnen Anbaugebieten sehr unterschiedlich aus. So rechnet man beispielsweise in Rheinhessen, Franken sowie Sachsen mit einem mittleren Ertrag auf Vorjahresniveau.

An der Ahr und Saale-Unstrut kommt man nach kleinen 2012er Ernten mit einem Plus von 30 beziehungsweise 48 Prozent wieder auf einen Durchschnittsertrag. In den übrigen Regionen liegen die Prognosen dagegen deutlich unter dem Ergebnis von 2012 oder wie an der Mosel 25 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Von daher wurden in einigen Anbaugebieten bereits höhere Preise angekündigt. 

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung

Kommentare zu " Jürgens Weinlese: Wein wird knapp"

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  • Zitat : Der Welt droht ein Weinmangel.

    - auf den meisten Fusel kann man locker verzichten.

    Es wird ein Schuh daraus, wenn man die Behauptung aufstellt, der Welt droht ein Mangel des QUALITÄTSWEINES !

    Weil immer mehr herumpantschen und Mist verkaufen .

    Die Gier macht auch den Qualitätswein unerschwinglich und zur Mangelware !

  • Der Wein wird nur deswegen knapp, weil es inzwischen viel zu Viele gibt, die Wasser predigen und Wein saufen ;-)

  • So kündigt man Preiserhöhungen an. Dummes Machtspiel der Besitzenden!

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