Jürgens Weinlese: Wie man von Weinempfehlungen leben kann

Jürgens Weinlese
Wie man von Weinempfehlungen leben kann

Tobias Treppenhauer ist ein Quereinsteiger in der Weinbranche. Aus privatem Interesse an edlen Tropfen fing er an, darüber zu schreiben - und hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Wie, das erklärt er im Interview.
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DüsseldorfTobias Treppenhauer kommt aus der Werbebranche. Und hat es geschafft, sich als Quereinsteiger mit Weinempfehlungen in der Weinbranche durchzusetzen. Mittlerweile ist er mit seinen Tipps bei Onlinehändler begehrt - wie der Wechsel seines Händlers zeigt, über den er den Verkauf abwickelt. Das Interview entstand während eines Redaktionsbesuches.

Hallo Herr Treppenhauer: Wie schafft man es, von Weinempfehlungen zu leben?
Das ist eine etwas längere Geschichte, die vor knapp zehn Jahren ihren Anfang hat. Ende 2007 stand ich vor der Frage: Wie erreiche ich von Anfang an mit meinen Artikeln über Wein ein großes Publikum. Ich überlegte, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen, gleichzeitig schrieb ich verschiedene Medien an.

Hat eine Redaktion Interesse angemeldet?
Ja, die Zeitschrift Stern. Anfang 2008 fing ich mit einem Weinblog auf stern.de an und hatte so innerhalb kurzer Zeit viele Leser. Das hat drei Jahre lang gut funktioniert. Danach war ich bei dem Fachmagazin WeinWisser „zuhause“ und anschließend habe ich die Weinlakai-Tipps nur noch auf meiner eigenen Website veröffentlicht.

Das reicht? Eine eigene Website mit Weinempfehlungen, davon kann man seinen Lebensunterhalt bestreiten?
Nein, das klappt nicht so einfach. Zusammen mit der Empfehlung nenne ich stets auch einen Online-Händler, der diesen Wein verkauft, inklusive Link am Ende des Artikels. Vorher frage ich diesen Händler, ob er ausreichend Flaschen auf Lager hat, und ob er mir eine Provision für die Empfehlungen zahlt.

Haben sich die Händler auf diesen Deal Provision gegen Weinempfehlung eingelassen?
Ja, sie gehen kein Risiko ein und verdienen ebenfalls an jeder verkauften Flasche.

Wie viele Flaschen könnte der Händler denn über Ihre Empfehlungen verkaufen?
In vielen Fällen eine vierstellige Zahl, in der Spitze sogar mehrere Tausend. Schließlich habe ich im Laufe der Jahre sehr viele E-Mailadressen für meinen Newsletter gesammelt. Diese Menschen sind mir sehr treu.

Aber solch eine Übereinkunft wirft ein anderes Problem auf: Empfiehlt man noch den besten Wein oder den mit der höchsten Provision?
Zum einen lebe ich von Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit meiner Empfehlungen, da werde ich den Teufel tun und die Qualität der Provision unterordnen. Meine Abonnenten habe ich auch direkt gefragt, ob sie mit solchen Vereinbarungen ein Problem hätten. Eindeutige Antwort: nein!

Und zum anderen…
Das Problem habe ich dadurch gelöst, dass ich meine Weinempfehlungen mittlerweile nur noch über einen Shop verkaufen lasse. Ich suche die Weine aus, der Online-Shop kümmert sich um die Abwicklung.

Haben Sie schon mal überlegt, einen eigenen Online-Shop zu eröffnen?
Mit dem Gedanken gespielt, aber schnell verworfen. Die wenigen Weine, die ich empfehle, machen alleine noch kein Shop-Sortiment aus. Also müsste ich das Angebot deutlich ausweiten. Ich berate mit meinen Agenturkollegen aus Köln auch andere Unternehmen aus der Branche, daher weiß ich: Das ist kein einfaches Business.

Warum?
Viele Online-Shops verkaufen ihre Weine nur über die entsprechende Bewertungszahl eines Robert Parkers (der einflussreichste Weinkritiker weltweit, Anm. der Redaktion) und den Preis. Das ist austauschbar und langweilig. Man muss schon kreativer sein, um Erfolg zu haben.

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"Mein Weingeschmack hat sich sehr verändert"

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