Jürgens Weinlese
„Wir wollen den besten Wein der Welt“

Der Weinexperte von Handelsblatt Online hat in der Toskana einige der besten Weine der Welt gekostet und erfahren, warum der Allianz-Konzern dort Weine herstellt, die komplexer als eine Lebensversicherung sind.
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DüsseldorfChianti, Brunello oder Vino Nobile aus Montepulciano: Diese großen Weine stehen für die Toskana, die neben Piemont Italiens berühmteste Weinregion ist. Fast nirgendwo hat der Weinbau eine längere Tradition. Doch das Image der Weine hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt. In den 50er und 60er Jahren hatte der Chianti ein Billig-Image, schmeckte dünn und säuerlich. Ich kann mich noch an die typischen, billigen Chianti-Korbflaschen erinnern. Heutzutage braucht sich dieser Wein nicht mehr zu verstecken. Dementsprechend sind auch die Preise gestiegen. Trotz der zahlreichen Touristen in der Region gibt es dort noch vieles ursprüngliches zu entdecken (das hatte ich so nicht vermutet), und Weingüter, die unterschiedlicher nicht sein können. Einige davon habe ich während  meiner Reise durch die Toskana besichtigt.

San Felice: Ein Wein fürs Leben

„Unter den deutschen Großunternehmen, die ihren wahren Wert grundsätzlich vor der Öffentlichkeit verbergen, hat es die Allianz zu zweifellos besonderer Meisterschaft im Verstecken ihrer Reserven gebracht“, schrieb einst der Spiegel über den deutschen Versicherungskonzern. Solch eine versteckte „Reserve“ im positiven Sinne ist das Weingut San Felice in der Toskana, das mit der milliardenschweren Übernahme des Versicherungskonzerns Riunione Adriatica di Sicurta (RAS) an die Münchner fiel. Es liegt im Süden des Chianti Classico, in der Gemeinde Castelnuovo. Das an ein Wellnesshotel angegliederte Weingut ist anerkannt, liegt idyllisch und produziert Weine, die auch dem Anspruch genügen dürften, nach einer Allianz-Vorstandssitzung entkorkt zu werden.

Zwei Weine sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Zum einen der Pugnitello-Wein bestehend aus der Rebsorte Pugnitello, die lange als ausgestorben galt, aber an der Universität in Florenz wiederentdeckt und von San Felice zum Leben erweckt wurde. Der Pugnitello-Wein wird 18 bis20 Monate reinsortig im Holz ausgebaut und reift anschließend acht Monate in der Flasche. Der etwas ungestüme Wein duftet fruchtig würzig nach roten Kirschen und Wachholderbeeren – und ist mit fast 30 Euro auch nicht ganz billig.

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