Wein
Bordeaux-Chef bedankt sich bei Lidl

Deutschland ist mittlerweile der zweitgrößte Auslandsmarkt für Bordeaux-Weine – während der Absatz in China eingebrochen ist. Die Macher aus der bedeutendsten Weinregion der Welt haben für die Zukunft ein klares Ziel.
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Ein paar Jahre lang hatten die Winzer und Händler von Bordeaux nur Augen für China. Inzwischen schauen sie sich auch wieder voller Sympathie ihre deutschen Abnehmer an. Der am Donnerstag in Paris vorgestellten Wein-Bilanz für 2014 zufolge war die Bundesrepublik im vergangenen Jahr der zweitgrößte Auslandsmarkt für Bordeaux-Weine, mit einem Anstieg um acht Prozent auf 288.000 Hektoliter. In einem von Rückgang geprägten Umfeld war Deutschland ein Hort der Stabilität für die Erzeuger aus Bordeaux.

Dem Wert nach liegt Deutschland zwar immer noch erst auf dem fünften Rang. Aber auch bei den Preisen sieht Bernard Farges, Chef des „Interprefessionellen Rates für Bordeaux-Weine“, Anlass zur Freude: „Der Durchschnittspreis der Weine, die wir nach Deutschland liefern, steigt. Die Deutschen haben begonnen, mehr höherpreisige Weine nachzufragen, während sie früher vor allem auf ganz billige Qualitäten setzten.“ Um 16 Prozent ist der Wert des Absatzes in Deutschland gestiegen. Der Abstand zu China, der Nummer bei Volumen und Wert, beginnt zu schmelzen.

Jahrelang galt Deutschland als das Land für preiswerte Weine. Doch diese Zeiten sind wohl vorbei – auch weil die entscheidenden Verkäufer in Deutschland wie Disocunter und Lebensmitteinzelhändler die Branche nachhaltig verändern. 

Vor ungefähr sieben Jahren begann der China-Boom in Bordeaux. Die neuen Kunden rissen den Winzern von der Gironde-Mündung alles aus den Händen, wo Bordeaux drauf stand. Dann kam nach 2012 ein tiefer Absturz: Die Konsumenten merkten rasch, dass ihnen zum Teil minderwertige Ware angeboten wurde, und reagierten verärgert.

Und viele Händler, die auf stetig steigende Preise für Spitzenweine spekuliert hatten, blieben auf ihren Kisten sitzen. Auch den reichen Chinesen geht irgendwann das Geld aus, außerdem litt der Absatz teurer Bordeaux-Weine unter den Maßnahmen der Regierung gegen die Korruption.

Im vergangenen Jahr setzte sich der Abschwung fort: minus 21 Prozent beim Umsatz, minus 19 Prozent bei der Menge. „Das liegt allerdings auch daran, dass im vergangenen Jahr viele britische Händler China mit Bordeaux-Weinen beliefert haben, das hat unseren Direktabsatz eingeschränkt.“ erläutert CIVB-Vize Allan Sichel, der selber Mitinhaber eines Handelshauses ist.

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