Weingüter auf Zypern
Der Krisenwein

Zypern sucht nach dem Abschied als Bankeninsel ein neues Geschäftsmodell. Wein von der Mittelmeerinsel hätte das Zeug für einen Exportschlager. Doch bislang winken Weinimporteure ab. Erfahrungsbericht eines Experten.
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MünchenSchon im Mittelalter war Zypern in aller Munde. Nur war es damals der Wein, der sich an den Fürstenhöfen in ganz Europa großer Beliebtheit erfreute. Bereits zur Hochzeit von Richard Löwenherz soll der beliebte Commandaria-Wein von der Mittelmeerinsel ausgeschenkt worden sein. Wobei auch vielen modernen Zyprern wohl lieber wäre, man würde über ihren Wein und nicht über ihre maroden Banken diskutieren.

Es ist gar nicht lange her, dass ich das letzte Mal in Zypern war. Ich sollte für ein aufstrebendes Weingut ein Konzept für den Export erstellen und mögliche Partner ausfindig machen. Die Weine waren fantastisch, der Weinmacher ein interessanter Typ, aber alle wichtigeren Weinimporteure in Deutschland und Großbritannien winkten ab. Die Kunden wären nicht bereit für einen Wein aus Zypern Geld auszugeben.

Anders ausgedrückt: Die Verbraucher würden nicht darauf vertrauen, für ihr Geld eine vernünftige Weinqualität zu bekommen. Warum haben dann so viele Leute ihre Ersparnisse fürs Alter nach Zypern getragen? Da hat wohl niemand hinterfragt, mit welchem Geld die zypriotischen Banken deutlich höhere Zinsen bezahlen als im restlichen Euro-Raum üblich.

Es war Ende der 90er Jahre, dass ich das erste Mal auf Zypern war. Auch damals hätte man sich schon wundern können über die vielen Glaspaläste der Banken. Mich hat allerdings mehr der Wein interessiert. Ich habe als Sommelier eine Hotelanlage betreut und sollte eine neue Weinkarte zusammenstellen.

Kommentare zu " Weingüter auf Zypern: Der Krisenwein"

Alle Kommentare
  • Genau das meine ich! Derjenige, der sich um ein reales Produkt, um Qualität bemüht, bekommt keinerlei Anerkennung oder gar Unterstützung.
    Wer Luftschlösser baut und große Versprechungen macht wird gehypt und hinterher entschuldigt...

  • Den Wein werden die Zyprioten wohl selber brauchen um über die nächsten Jahrzehnte zu kommen.
    Seltsam wie viel darüber gelästert wird, dass man in Zypern Zinsen bekam wenn man sein Geld auf die Bank legte!

    Als wäre die manipulative Nullzinspolitik der EZB normal und mit Ihr die Tatsache, dass kein normaler Bürger in Europa mehr in den Genuss einer Verzinsung seines Geldes kommt. Es sei denn er ist bereit an der Börse zu spekulieren.

    Die Banken andererseits können für Überziehungskredite nie da gewesene Zinsen aufrufen. Und jeder Börsenhandel bringt der Finanzwirtschaft Provision.

    Also, wer hat hier Vorteile durch die europäische Geldpolitik, die Finanzwirtschaft oder der Bürger in Europa?
    Warum sollte ich mich um Zypern sorgen, abgezockt werden wir nicht von den Zyprioten.

    Darauf 1 Glas Wein, von mir aus auch aus Zypern.

  • @rechner

    .... die Russen haben sich verzockt .....

    Draghiincompetentos, kriminell-organisierte "Puppet-Politiker" , z.T kriminelle Anleger und ein bröselndes Geschäftsmodell Europa verzocken sich seit Jahren. Wobei die Verursacher selbst keinen Schaden nehmen.

    Zur Bewertung der Lage in Zypern empfehle ich die jüngste Wochenzeitschrift "Economist". Eine evtl. Weinförderung kommt da nicht vor. So denken nur Dummzahler wie Schäubles Freunde.

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