Winebank
Weine hinter Gittern

Der Rheingauer Winzer Christian Ress expandiert europaweit mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee: Der Winebank – ein Business-Club rund um das Thema Wein. Mit einem klassischen Lagerraum für Weine hat das nichts zu tun.
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HamburgDer Keller der einstigen kaiserlichen Hauptpost in Hamburg birgt flüssige Schätze: Weinflaschen liegen hinter Gittern, eingepfercht in dunkelgraue Schließfächer bei ziemlich exakt 17 Grad. Zugang gibt es nur mit einer speziellen Chipkarte – das aber rund um die Uhr.

Die Winebank ist eine ungewöhnliche Geschäftsidee des Rheingauer Winzers Christian Ress. Seine Familie keltert bereits seit Gründung des Kaiserreichs Riesling. Der Chef in der fünften Generation, ein studierter Betriebswirt, baut das Geschäft aus: Einmal – ganz klassisch – durch bessere Qualität im Weinbau und die Umstellung auf Öko-Anbau. Andererseits investiert er ins Marketing: Bald startet ein eigener Online-Shop mit aufwendigen Video-Clips. Immer mehr zum zweiten Standbein entwickeln sich seine Winebanks. Sieben Standorte gibt es bereits, mindestens zwei – in Köln und auf Mallorca – kommen 2017 hinzu.

Am Mittwochabend erläuterte Rees sein Konzept vor Mitgliedern des Handelsblatt Clubs in der Hamburger Filiale zusammen mit dem dortigen Franchise-Nehmer Johannes Leusch. „Die Idee kam mir 2009 auf einer Flugreise. Ich habe von mir selbst auf meine Kunden geschlossen“, erzählte er. Er habe einen Ort gesucht, an dem Wein rund um die Uhr genossen – und gelagert – werden kann. Heraus gekommen sind die Winebanks an architektonisch interessanten Orten: etwa alten Weinkellern oder eben dem alten Postamt. Mit einer klassischen Wein-Bank, also einem Lagerraum für teure Weine, hat das wenig zu tun.

„Für diejenige Leute, die ihren Wein 20 Jahre lagern wollen, ist das nichts. Herausgekommen ist vielmehr ein Business-Club rund um das Thema Wein“, sagte Ress. Unternehmer könnten dorthin etwa ihre Kunden nach einem Geschäftsessen mitbringen. „Das ist dann das i-Tüpfelchen auf einem gelungenen Abend.“ Andere Clubmitglieder nutzen den Schankraum als Treffpunkt. „Man lernt hier super-interessante Leute kennen. Da geht es nicht nur um Wein – in einen Golfclub geht man ja auch nicht nur wegen des Sports“, sagte Ress.

Für seine Expansion sucht er lokale Franchisepartner, die wie Leusch ein eigenes Netzwerk mitbringen. 255 Mitglieder hat Leusch in Hamburg bereits akquiriert. Einige teilen sich davon ein Schließfach, in dem sie ihren Wein deponieren. Dafür können die Nutzer eigene Flaschen mitbringen – wenngleich Ress natürlich auch gern Wein von den 44 Hektar seiner Familie verkauft. Damit zählt das Gut Balthasar Ress zu den größten Familienweingütern Deutschlands.

Er selbst ist vor allem für den Export seiner Weine verantwortlich. Einer seiner größeren Kunden stammt aus Dubai – nicht gerade bekannt für einen hohen Alkoholkonsum. „Wir verkaufen viel am Flughafen des Landes“, erläutert er den anfänglichen Widerspruch.

Anhand eines Rundgangs sahen die Handelsblatt-Leser, wie unterschiedlich die Schließfächer von den Mitgliedern genutzten wurden. In manchen lagerten einfache Weine mit einem Wert um die zehn Euro, es war aber auch ein Chateau Petrus aus dem Jahr 1949 zu sehen. Solch ein Wein wurde zuletzt auf einer Aktion für 3300 Euro verkauft. Aber auch einige Weinhändler hatten ein Fach gemietet, um gezielt ihr Kunden anzusprechen.

Bei einer Weinprobe mit sechs Rieslingen führte Ress die Clubmitgliedern fachkundig und verständlich vom einfachen Cuvee über einen ausgefallenen Landwein bis hin zur edlen Großen Lage aus den Weinkellern seines Guts. Für den Winzer gibt es keine anderes Land weltweit, das besseren Riesling als Deutschland erzeuge. „Deutschland bietet mit seinem kühleren Klima beste Bedingungen für diese Rebsorte“, erläuterte er.

Diese Degustation gestaltete Ress vor dem interessierten Handelsblattpublikum zu einer Art kompakter, anschaulicher Weiterbildung. Von den unterschiedlichen Gärmethoden bis hin zu Herstellung von Schaumweinen erstreckte sich das Repertoire.

„Woran erkennt man eine Schaumwein-Flasche, die nach Champagnerart hergestellt wurde, also mit einer Gärung in der Flasche?“, fragter er. Um gleich die Antwort zu geben: Der Hals ist wie eine Bierflasche, weil sie während der Gärung mit einem Kronkorken verschlossen wird. Erst später komme komme der Korkkorken zum Einsatz. Champagner und Kronkorken, das war für die Handelsblattleser neu.

Hier finden Sie weitere Veranstaltungen des Handelsblatt-Wirtschaftclubs.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung

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