Kairo
Tausend- und eine Macht

Von einem der auszog, das Chaos zu lieben: Felix Thonet ist Erbe des legendären Bugholzmöbel-Unternehmens und der ideale Guide für einen Streifzug durch die turbulente ägyptische Hauptstadt Kairo.

Es gibt Stationen im Leben, die zu erreichen einen gestandenen Mann mit unbändigem Stolz erfüllen. Nein, es sind keine beruflichen oder sportlichen Erfolge. Es geht um eine besondere Form der Anerkennung, die viele Männer nie bekommen. Für Felix Thonet, Urururenkel von Michael Thonet, dem legendären Bugholzmöbelbauer, ist das sein gerahmtes Foto auf dem Kaminsims seiner Schwieger-Großmutter Denise.

Dieser beherrscht den großzügigen Salon in einem sonst unscheinbaren Haus auf der Nil-Insel Zamalek im Herzen von Kairo. Die Straße heißt Hassan Sabry, zwischen Dänischer Botschaft und Aqua Zoo, dort, wo die graubraune Stadt ein bisschen grüner ist.

Ächzend hält der düstere Aufzug in der 4. Etage. Hinter der Wohnungstür öffnet sich das geschmackvoll ausbalancierte Reich der feinen alten Dame. Felix Thonet mixt sich einen Drink und lehnt sich genüsslich in einem ausladenden Sessel zurück. Der 1,95-Mann aus Deutschland passt gut hierhin. Und Denise ist stolz auf „Flex“. Thonet lächelt: „Hier bin ich Mr. Flex, Felix können die Ägypter nicht aussprechen.“

Die Stars der Fotogalerie auf dem Kaminsims sind freilich andere: die schönen Frauen der Familie. Großmutter Denise Koussa, Mutter Baldira Kaldas und die Enkelin, die in Münster geborene Deutsch-Ägypterin Saya, die Thonet vor drei Jahren geheiratet hat. Es war eine Märchenhochzeit wie aus Tausendundeiner Nacht, allerdings mit 200 Gästen eine für ägyptische Verhältnisse eher bescheidene.

Nun ist das junge Paar an den Ort, das Hotel Mena House Oberoi, zurückgekehrt. In der Lobby bekommt Saya eine der frischen Blumen überreicht, die dort gerade arrangiert werden. Ihr Mann sinniert entspannt am Pool: „Eigentlich sollten wir hier von Zeit zu Zeit ein Fest für Freunde geben.“ Lächelnd reicht ihm die Bäckerin des Hauses ein frisch gebackenes Fladenbrot für die gute Idee.

Der Blick schweift zu den Pyramiden, die oftmals im Dunst liegen, was sie noch unwirklicher erscheinen lässt. Allerdings ist ihnen die Stadt mit den Jahren so nah gerückt, dass die weltwunderbare Wirkung darunter leidet.

Abgerückt von den Touristen sind dagegen die lästigen Händler. Dafür sorgt die Tourismus-Polizei, die hoch auf einem weißen Kamel dazu noch ein attraktives Fotomotiv bietet.

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