Kambodscha: Tee-off vor dem Tempel

Kambodscha
Tee-off vor dem Tempel

Die göttlichen Gemäuer des Städtchens Siem Reap im Herzen von Kambodscha sind ein Relikt der alten Khmer und von unvergleichlicher Schönheit. Vor kurzem wurde unweit von den Tempeln der erste Golfplatz des Landes gebaut, damit die internationalen Besucher neben den Tempelbesichtigungen auch ein wenig Sport treiben können.

Zwischen dem 9. und 10. Loch liegt das alte Brückchen, das in Siem Reap zum neuen Golfplatz gehört. Der wurde kürzlich eröffnet, damit die internationalen Besucher auch hier diesem Sport nachgehen können. Siem Reap liegt mitten in Kambodscha und bei den berühmten alten Tempeln von Angkor. Wegen dieser gigantischen Relikte der alten Khmer kommen Touristen nach Siem Reap und folgen den Spuren der historischen Hochkultur. Möglich ist das, seit im kleinen Königreich Ende der neunziger Jahre wieder Ruhe einkehrte. Es litt als direkter Nachbar erst massiv unter dem Vietnam-Krieg, stand danach unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer mit Pol Pot an der Spitze und versank dann im Bürgerkrieg.

Der Golfplatz ist der erste im Land, zählt 18 Loch und liegt an der National Road No 6, fünf Kilometer von den Tempeln entfernt. Während sein Areal dem Dschungel abgerungen wurde, stieß der Bautrupp auf eine alte steinerne Brücke. Die ordnete „Apsara“, die für die Ausgrabungen und Pflege der gigantischen Sakralbauten zuständige Organisation, dem 11. Jahrhundert zu und damit der Blütezeit der alten Khmer. Das Brückchen, ehedem Teil einer Straße, die nordwestlich ins heutige Ost-Thailand führt, nannten die Archäologen „Roluh Bridge“. Sie gruben es fachmännisch aus und erlaubten, den 18-Loch-Championshipcourse drum herum zu bauen. Die Brücke gehört nun, wie der gesamte Angkor-Park, zum Unesco-Weltkulturerbe. Welch ein Platzvorteil fürs Club-Marketing, diese Roluh Bridge!

Niemand reist nach Kambodscha, nur um Golf zu spielen, sondern die Gäste kommen, um die alten Tempel zu besichtigen, um Land und Leute im Spiegel auch der jüngsten Geschichte zu erleben. Abseits viel benutzter Pfade warnen Schilder vor Landminen. „Sicherheitshalber sind Trampelpfade und wildes Gelände zu meiden. Wir raten daher auch bei Touren über Land zu einem Führer, auch durch den weitläufigen Tempelpark“, sagt Sarawan Dever von Indochina Services, einem auf Südostasien-Reisen spezialisierten Dienstleistungsunternehmen aus Bangkok mit Dependance in Siem Reap.

Die Stadt gehört zur 150 000-Einwohner-Provinz Siem Reap; 85 000 leben in und um Siem Reap. Haupteinnahmequelle ist neben der Landwirtschaft der Tourismus. Die Besucher können zwischen Unterkünften aller Art auswählen, von simplen Guesthouses ohne Klimaanlage bis zu einer Handvoll Fünfsternehotels globaler Ketten, die abseits vom Zentrum liegen. „Downtown“ beim Alten Markt konzentrieren sich Restaurants, Bars und Geschäfte. Hier erinnern kleine Alleen und bunte Holzhäuser mit Veranden daran, dass Kambodscha bis 1945 französische Kolonie war. Im roten Holzhaus residiert „The red piano“ mit Restaurant, Bar und Bildern von Angelina Jolie. So stolz wie PR-bewusst sagt der Barkeeper: „Sie kommt oft vorbei, sie hat ein Haus in der Stadt." Angelina Jolie drehte hier vor acht, neun Jahren „Tomb Raider“.

Vom Old Market zur Pokambor Avenue sind es nur wenige Minuten im „Ramok“ (Khmer für die in Asien sonst „Tuktuk“ genannten Moped-Taxen). In der Pokambor Avenue steht die Residenz des Königs, daneben ein elfenbeinfarbenes Holzhaus, das bis vor 40 Jahren im Besitz des französischen Gouverneurs war, heute Gastronomie und Hotel beherbergt und FCC Angkor heißt. Seine lauschige Veranda im ersten Stock lädt zum Verweilen, das Restaurant zum Essen ein. FCC steht für „Foreign Correspondent Club“, weil während des Vietnam-Krieges die internationale Journaille hier einkehrte. Jetzt kredenzt die hübsche Kambodschanerin Cocktails und ein lokales Bier namens Angkor, das nach einem Tag in tropischer Hitze angenehm kühl durch die Kehle zischt.

Aus Kolonialtagen stammt auch das erste Hotel am Platz, das Raffles Grand Hotel d'Angkor. Es erstrahlt wieder in altem Glanz, nachdem es im Vietnam-Krieg unter Beschuss geraten und später verkommen war. „Auf seinen Dächern standen Mörser. Die hinterließen auch an den Tempeln ihre Spuren“, erzählt Fremdenführer Narun in gutem Deutsch. Er zeigt sie uns, als wir später im Tempel Angkor Wat das Wandrelief mit 88 Teufeln, „asura“, und 92 Göttern, „deva“, bewundern. Das Relief ist in der östlichen Galerie mit ihren vielen Säulen. An den äußeren schlug die Munition deutlich sichtbare Löcher.

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