Kantinenkritik Commerzbank
Die Kantine an Ihrer Seite

Die Kantine der Commerzbank am Frankfurter Kaiserplatz steht auch dem Publikum offen. Beim Essen will es das Kreditinstitut jedem recht machen. Beinahe gelingt das auch. Eine erstaunliche Verwandlung.
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FrankfurtGelb leuchtende Lampenschirme verwandeln das Betriebsrestaurant der Commerzbank-Zentrale in Frankfurts größtes Wohnzimmer. Während sich die Bank auch zehn Jahre nach der Finanzkrise noch immer im Umbau befindet, hat ihn das Restaurant seit Januar hinter sich. Grund genug, den Firmenslogan („Die Bank an Ihrer Seite“) wörtlich zu nehmen: Die Kantine steht auch dem Publikum offen, das den doppelten Preis bezahlen muss. Doch die Konkurrenz im Umkreis ist hart. Sie reicht vom Burgerbrater bis zum Sternerestaurant Français im Frankfurter Hof.

Unerschrocken hält die Commerzbank-Kantine dagegen – mit rosa gebratener Lammkeule, dazu Bohnenbündchen, als Dessert Passionsfrucht mit Champagnerkern. Kann die Rechnung aufgehen? Nicht ganz, denn die Küche will es mit bis zu acht verschiedenen Hauptgängen jedem recht machen – ob mit Live-Cooking von Grill oder Wok, frisch gebackener Pizza oder Currywurst. Das Angebot passt so gar nicht zum Versprechen von CEO Martin Zielke („Wir haben uns auf unsere Kernstärken fokussiert“). Der Vorspeisensalat jedenfalls kann das Versprechen nicht einlösen, dafür ist das Dressing zu beliebig.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°6 – November 2017. Weitere Themen im neuen Heft sind u.a.:

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    Doch zum Glück entwickelt sich die Verköstigung wie der Commerzbank-Aktienkurs: Was schwach anfängt, wird mit der Zeit besser. Die Bohnen im Speckbündchen könnte Großmutter nicht besser machen. Das Lamm überzeugt mit herrlichem Aroma – allenfalls fehlt eine Note, die ein bisschen vom Mainstream wegführt. Ganz anders das Dessert, dessen Champagnerkern auf der Zunge zerbritzelt, inklusive Dekor mit Emblem des von Sir Norman Foster entworfenen Commerzbank-Towers – ein kulinarischer Gruß aus der guten alten Zeit, als Investmentbanker noch kein Schimpfwort war.

    Einen Espresso gibt es hinterher in der angeschlossenen Café-Bar. Und wer will, kann sich für den Nachhauseweg noch ein glutenfreies Brot mitnehmen. So schmeckt sie, die neue Sachlichkeit im Banking.

    Foto: Markus Hintzen für Handelsblatt Magazin

    Foto: Markus Hintzen für Handelsblatt Magazin

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