Kantinenkritik Fosun in Schanghai Nach dem Essen kommt die Kalorienbilanz

Bargeld wird in der Kantine des chinesischen Konglomerats Fosun nicht mehr akzeptiert. Bezahlt wird per App, Kalorienbilanz inklusive.
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Bis zu 1.200 Gäste kommen täglich hierher. Quelle: Dave Tacon/Laif für Handelsblatt Magazin
Foshun Happiness Canteen

Bis zu 1.200 Gäste kommen täglich hierher.

(Foto: Dave Tacon/Laif für Handelsblatt Magazin)

SchanghaiAuf den ersten Blick sieht das Betriebsrestaurant von Fosun aus wie viele andere in China: Plastikstühle, ein paar Pflanzen, die Klimaanlage brummt vor sich hin, kein Sonnenlicht dringt ins Kellergeschoss.

Doch die erst im Januar dieses Jahres eröffnete „Glückskantine“ des Milliardenkonzerns, der sein Geschäft vor allem im Finanz- und Stahlsektor macht, ist wohl einer der fortschrittlichsten Lunchplätze der Welt.

Bezahlt wird hier, im Schanghaier Bund Finance Center, mit We Chat, der chinesischen Online-Allzweckwaffe, mit der fast eine Milliarde Menschen täglich chatten, shoppen und Geld ausgeben. Im Boden eines jeden Tellers befindet sich ein Chip, in dem Preis und Nährwerte des Gerichts gespeichert sind.

An der Kasse rechnen spezielle Benutzeroberflächen sofort aus, wie viel vom We-Chat-Konto abgezogen wird. Cash wird nicht mehr akzeptiert, die „Kassiererin“ ist hauptsächlich zum Lächeln da.

Die Auswahl ist riesig. Die Shrimps haben einen leichten Ginkgo-Geschmack, die gebratene Ente ist saftig, der Kürbis hat den Knoblauch gut eingezogen. Lediglich bei der Suppe ist das Spitzbein nicht überwältigend, der blanchierte Spinat hängt eher schlapp vom Stäbchen. Der Orangensaft schmeckt frisch.

Kantinenbesucher geben im Schnitt 26 Yuan pro Tag aus, 3,32 Euro. Jeder Fosun-Mitarbeiter bekommt ein monatliches Essensgeld von 600 Yuan überwiesen, natürlich direkt aufs We-Chat-Konto.

Auch deshalb pilgern die Mitarbeiter des größten privat geführten Konglomerats in China massenhaft hierher. Zur Mittagszeit reicht die Schlange bis zu den Aufzügen. Ohne Ordnung lassen sich 1.200 Gäste eben nicht bewältigen. Selbst nach dem Essen müssen sie mit anpacken und Essensreste, Gläser und Besteck trennen.

Wer die Kantine verlässt, bekommt prompt Digitalwissen auf die App: Sie zeigt einem, wie viel Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett und Salz im Essen gesteckt haben. Unser Testmenü brachte es auf angenehm leichte 610 Kalorien.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°2/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 16. März 2018 am Kiosk erwerben.

Foto: Dave Tacon/Laif für Handelsblatt Magazin

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