Kantinenkritik Kering in Paris
Edel-Lunch zum Sparpreis

Kering, Pariser Mutterkonzern von Modemarken wie Gucci, Bottega und Veneta, tischt seinen Mitarbeiten in einem alten Hospital köstliche Menüs zu günstigen Preisen auf. Der wahre Luxus wartet jedoch draußen, im Garten.
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ParisDas Gemäuer hat schon weitaus traurigere Zeiten gesehen: Seit 2016 sitzt die französische Luxusgruppe Kering, zu der Marken wie Gucci, Bottega Veneta und Balenciaga zählen, im ehemaligen Hôpital Laënnec mitten in Paris. Die Gebäude, 1634 als Hospiz für unheilbar Kranke gegründet, wurden unter der Leitung des Architekten Benjamin Mouton restauriert. Viele Elemente wie Treppen und Dachstühle hat er erhalten.

Die beiden Haupttrakte liegen zu beiden Seiten der Kapelle, in der heute Kunstausstellungen stattfinden. In einem der größeren Räume ist die Kantine untergebracht. Mit ihrer hellen Eichendecke, die noch aus den Originalbalken besteht, Linoleumboden und Holzmöbeln verströmt sie eine angenehme Wärme. Rund 250 Mitarbeiter werden hier pro Tag verköstigt. Im Sommer kann man sich auch auf die Rasenflächen rund um die Kräutergärten setzen – ein wahrer Luxus in der Pariser Steinwüste. Der Auftritt passt zu Kering. Man präsentiert sich in edler Zurückhaltung. Im Garten wächst kein Blättchen schief.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N° 4 – September 2017. Weitere Themen im neuen Heft sind u.a.:

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  • Die Jägerin: Floriane de Saint-Pierre ist die mächtigste Personalberaterin der Fashion-Industrie
  • Der Uniformalist: Wie Thom Browne nicht nur die Herrenmode revolutionierte
  • Höher, Sneaker, weiter: David Fischers Highsnobiety ist eines des erfolgreichsten deutschen Medien-Start-ups
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    Den Küchenbetrieb hat Kering dem Gastronomieunternehmen Pradier übertragen. Laurent Lefebvre ist der Verantwortliche vor Ort. Jeden Tag bietet er ein Fleisch- und ein Fischgericht, Pasta mit diversen Soßen und Salate. Zweimal täglich wird er von der Großküche in Sèvres am Pariser Westrand versorgt, wo die Gerichte vorbereitet werden. Was Lefebvre dann auf die Teller zaubert, ist beeindruckend: Der Fisch schmeckt, als sei er gerade erst aus dem Wasser in die Pfanne gehüpft. Dabei können Rotbarben schnell zu trocken werden. Wie der Chef das trotz Transport vermeidet, bleibt sein Geheimnis.

    Als Vorspeise gibt es halb getrocknete Tomaten mit Mozzarella. Zum Abschluss reicht Lefebvre den Stolz seiner Küche: einen Schokoladen-Eclair. „Dafür haben wir einen Preis bekommen“, freut er sich. Wohlverdient! Das köstliche Menü kostet nur zwölf Euro – für Pariser Verhältnisse mehr als günstig. Kein Wunder: Kering subventioniert seine Kantine.

    Foto: Stephanie Füssenich für Handelsblatt Magazin

    Foto: Stephanie Füssenich für Handelsblatt Magazin

    Thomas Hanke
    Thomas Hanke
    Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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