Kantinenkritik Universal in Berlin
Da ist Musik drin

Schallplatten an den Wänden, eine Terrasse direkt an der Spree: Die Berliner Kantine des Musikkonzerns Universal bietet weit mehr als nur einen Platz zur schnöden Nahrungsaufnahme. Doch die Salzstreuer sind verräterisch.
  • 0

Berlin„Eierspeicher“ hieß das Gebäude im Berliner Osthafen ursprünglich. Zu DDR-Zeiten lagerten in dem Kühlhaus West-Lebensmittel. Seit 15 Jahren sitzt hier die Deutschland-Tochter des weltgrößten Musiklabels: Universal Music. Und noch immer gibt es Lebensmittel – allerdings nicht tiefgekühlt, sondern frisch.

Im „Eatside“, wie das Betriebsrestaurant seit 2015 heißt, ist alles auf Musik getrimmt. Schallplatten der eigenen Stars hängen an den Wänden: von Helene Fischer bis Tocotronic. Daneben stehen auf hölzernen Regalen Kaffeetassen von Mando Diao oder Nelly Furtado. Das Beeindruckendste aber ist die Umgebung: Die Terrasse liegt direkt an der Spree, der Blick geht auf die Oberbaumbrücke, eines der schönsten Bauwerke Berlins, das Friedrichshain mit Kreuzberg verbindet, in der direkten Nachbarschaft der berühmten East-Side-Gallery-Mauerreste.

Täglich gibt es in der Universal-Kantine fünf Gerichte zur Auswahl, eines vegetarisch. Die Salatbar bietet eine knackige Auswahl. Die Pasta aus dem Wok sind geschmacklich gut, aber etwas weich. Das großartige Apfelküchlein lässt das gleich wieder vergessen. Sechs bis sieben Euro kosten die Gerichte, Nudeln sind deutlich günstiger. Mit 2,70 Euro pro Tag bezuschusst Universal seine Mitarbeiter, für die das Restaurant mehr ist als ein Platz zur Essensaufnahme. Viele verabreden sich hier zu lockeren Meetings.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N° 3 – Mai 2017. Weitere Themen im neuen Heft sind u.a.:

  • Was ist schön? Schönheit ist ein globales Milliardengeschäft. Doch wer bestimmt eigentlich, was gerade gut aussieht?
  • Der Moden-Macher: Vom McKinsey-Berater zum Fashion-Machtfaktor – die steile Karriere des Imran Amed
  • Documenta: Was die Besucher des Kasseler Teils der Ausstellung erwartet
  • Reichtum aus dem Bilderbuch: Opulenter Bildband über das moderne Vermögen
  • Jetzt lesen: Den Digitalpass vier Wochen gratis testen und das komplette Handelsblatt Magazin kostenlos als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 5. Mai 2017 am Kiosk erwerben.

    Nur der Blick auf die Pfeffer- und Salzstreuer verrät, wer hinter der Kantine steckt: die Firma Aramark, einer der größten Betreiber von Betriebsrestaurants. Dabei ist das „Eatside“ eine der wenigen öffentlich zugänglichen Kantinen. 60 Prozent der Gäste kommen vom Musiklabel, der Rest von umliegenden Firmen. Touristen dürfen ebenfalls rein. Die Räume werden sogar für Events wie Hochzeiten vermietet. Universal organisiert zudem eigene Veranstaltungen zwischen Kantine und Foyer. Stars wie Joy Denalane, Andrea Bocelli oder Mike Posner haben hier schon gespielt. Ob sie auch was gegessen haben, ist nicht bekannt.

    Foto: Wolfgang Stahr für Handelsblatt Magazin

    Foto: Wolfgang Stahr für Handelsblatt Magazin

    Kommentare zu " Kantinenkritik Universal in Berlin: Da ist Musik drin"

    Alle Kommentare

    Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%