Karibikinsel Barbados
„Limen“ mit den Bajans

An den Wochenenden gehört auf der Karibikinsel Barbados das süße Nichtstun zum Pflichtprogramm für Gäste und Einheimische. „Limen“ gehört zum Wochenendvergnügen, wie am Sonntag der Kirchenbesuch. Und auch „Teufelswasser“ ist Pflicht.

Der Uhrzeiger bewegt sich unaufhaltsam auf Mitternacht zu. Bei „Lexie's“ sind wie an jedem Freitag die Tische zur Seite geräumt und die schon in die Jahre gekommenen Plastikstühle aufeinander gestapelt. Gewiss doch. Täglich treffen sich bei „Lexie's“ die Fischer von Oistins zum Feierabendbier. Aber am Freitag- und Samstagabend gehört den Tanzwütigen die Holzbaracke, die, wie es scheint, nur noch von den zahlreichen Anstrichen und den verwitterten Metallreklameschildern zusammengehalten wird.

„Having a lime“ heißt es hier, wenn sie einfach nur entspannen, Rum mit Lemonensaft trinken, tanzen, abhängen. Wenn sich die Bajans, wie sie sich selbst nennen, dem süßen Nichtstun hingeben. „Limen“ gehört zum Wochenendvergnügen, wie am Sonntag der Kirchenbesuch, wenn die Damen mit den breitrandigen Hüten ihre Bänke besetzen. Knapp hundert Meter von dem Tanztreff entfernt wummern die Bässe, blähen sich die Lautsprechermembranen im Rhythmus der Dancehall-Musik.

Oistins Bay Garden ist wohl der bekannteste Ort auf der Insel, eine nicht gerade ruhige Oase nach einer Woche harter Arbeit. Herren in feinen Oberhemden sitzen an den rustikal einfachen Tischen neben Rastafaris mit ihrem Dreadlock-Zöpfen. Touristinnen in knappen Tops stehen mit ihrer Bierpulle in der Hand neben jungen Bajans in Hosen, die ihnen im Gangsta-Style fast auf die Knie gerutscht sind.

Bei „Yvonne's“ sind die in einer Öl-Knoblauch-Gewürzsoße eingelegten Mahai-Mahai-Fischscheiben inzwischen gut durchgegrillt. Dazu serviert Yvonne Reis und Bohnen, Salat und frittierte Süßkartoffelscheiben. Dem suchenden Blick folgt ein kurzer Handgriff und schon steht ein eiskaltes Banks-Bier auf dem Tisch.

Nicht nur Oistins tanzt sich ins Wochenende. In Bridgetown, der Hauptstadt von Barbados, treffen sich am Independent Square die Jugendlichen ebenso wie in den kleineren Ortschaften der Insel. Mit 270 000 Einwohnern ist sie eines der dicht besiedelsten Gemeinwesen der Erde.

Freitags wird vor den Rumshops die Nacht zum Tag gemacht – es gibt schließlich nur einen Freitag in der Woche, und am Samstag kann man sich tagsüber ausreichend ausruhen, um auch die Nacht zum Sonntag „durchzulimen“.

Die Bajans lieben das Picknick. Am Wochenende ziehen sie mit der Familie – nach dem Kirchgang natürlich – an den Strand, um im Kreise der Großfamilie den freien Tag zu genießen. An der Süd- und Westküste bieten sich Kilometer lange weiße Strände aus feinem Korallensand zum Spaziergang an, die Ostküste (Atlantikseite) dagegen ist rau und für Schwimmer wegen ihrer Unterströmungen gefährlich. Dafür spürt man aber die Gicht im Gesicht, wenn die tosenden weiß schäumenden Wellen – die „weißen Pferde“, wie die Bajans sagen – sich an den Felsen der River Bay brechen. Kasuarina-Nadelbäume bieten Schatten, unter denen Reis und Bohnen, mit Kräutern gewürzte Hähnchen mit der berühmten scharfen Soße ausgepackt werden – und natürlich darf zum Wochenendvergnügen eine Flasche „Teufelswasser“, der wohl beste Rum der Region, nicht fehlen.

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