Knasthotel
Im Kittchen ist ein Zimmer frei

Für die gestreift gekleideten Gäste des Hauses war es kein Vergnügen: vergitterte Fenster, Wasser und Brot, meist eher längere Aufenthaltszeiten. Vorbei. Heute ist Långholmen kein Knast, sondern Knasthotel. Wer sich hier einbuchten lässt, tut dies freiweillig. Meist Seminar-, Tagungs- und Teamgruppen, die im ehemaligen Zuchthaus auf Stockholms Langer Insel zu Kreativität finden wollen.

DÜSSELDORF. Die besondere Art der Kasernierung weckt kaum Fluchtgedanken. Vielmehr wirken die teils original erhaltenen Vier-Quadratmeter-Zellen mit Metallpritsche wie ein Magnet.

Von der wachsenden Lust am Knast-Abenteuer profitiert nicht nur Långholmen. Immer mehr unbescholtene Bürger machen heute freiwillig dort Quartier, wo früher hinter Schloss und Riegel Gesetzesbrecher zur Besinnung kommen sollten.

Das jüngste Knasthotel, das Best Western Premier Hotel Katajanokka, hat seine schweren Pforten im vergangenen Frühjahr geöfffnet - inmitten eines weitläufigen Parks im Zentrum Helsinki. Seitdem ist das bis 2002 aktive Jugendgefängnis vollständig umgewandelt in ein modern-hippes First-Class-Hotel, in dem in den mit Flat-TV- und W-Lan bestückten Zimmern nichts mehr an Knast erinnert. Höchstens die unter der Decke eingelassenen Fenster.

"Früher haben die Leute unbedingt rausgewollt", vergnügt sich Kerkermeister-Nachfolger Marcos Bekhit, General Manager im Four Seasons Istanbul, dem wohl luxuriösesten Knast-Hotel der Welt, "heute können sie es nicht erwarten, hineinzukommen." Und nicht nur in Bekhits Jahrhunderte alten Ex-Knast vis à vis von Blauer Moschee und Topkapi-Palast zieht es Hotelgäste auf der Suche nach dem besonderen Kick. Auch die Zellen des Luzerner Zuchthauses am Löwengraben und das 1889 zur Verwahrung von Langzeitgefangenen angelegte "Breakwater" am Kap von Afrika sind äußerst beliebt.

Das authentischste Erlebnis erwartet den Gast hinter den nach wie vor abweisenden Mauern des Jailhotel Löwengraben im schweizerischen Luzern. Nur dreieinhalb Monate hat der Umbau des 135 Jahre als Zentralgefängnis genutzten Gebäudes am Rande der historischen Altstadt gedauert.

Entsprechend wenig hat sich an der früheren Einrichtung verändert: Es gibt noch bedrohlich wirkende Eisentüren und mit massiven Metallriegeln verschließbare Zellen: Ebenso wie die 40 noch bis 1998 Inhaftierten erwarten den Incentive-Reisenden heute zwei bis vier Pritschen auf beklemmenden vier bis sechs Quadratmetern, schwere Gitter vor den schmalen Fenstern, ein Holztisch und ein archaisches Waschbecken - das war's. Geduscht wird in Gemeinschaftsbädern auf dem Gang. Immerhin: Heutige Zellenbesucher erhalten Schlüsselgewalt und Freigang nach eigenem Ermessen.

Das lockt seit Eröffnung 1999 nicht nur Backpacker ins Jailhotel und seinen "Alcatraz-Club". Auch Firmen und Eventmanager nutzen die original erhaltene Knast-Kulisse mit Vorliebe für das etwas andere Seminar, Meeting oder Event. All jene, die es zwar hinter Gitter zieht, nicht aber in gar so klaustrophobischen Dimensionen, quartiert das Jailhotel seinen Suiten ein: im ehemaligen Büro des Gefängnisdirektors oder der original erhaltenen Gefängnisbibliothek.

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