Koffer-Auktion
Überraschungseier für Erwachsene

Einmal im Monat versteigert ein Darmstädter Auktionshaus liegen gebliebene Koffer. Was drin ist, weiß niemand.

DARMSTADT. Der weinrote Koffer mit dem blauen Gurt kommt jetzt endlich dran. Der sieht edel aus. Der muss es sein. Für mich. Meine Faustregel: Nur nobles Gepäck wird mir exquisite Überraschungen bescheren. Ich setze auf Luxus. Wenn der ausbleiben sollte, so habe ich wenigstens einen schicken Koffer. Für meine Nizza-Reise demnächst.

Die anderen Neugierigen, meine Konkurrenten hier, teils von weither angereist, scheinen ähnliche Ambitionen zu haben – denn mein weinroter Favorit, den der Auktionator gerade aus dem riesigen Koffer-, Taschen-, Tütenberg herausgezogen hat, ist zum Beginn der Reisesaison heiß begehrt.

Der Einstieg liegt bei 50 Euro – und ehe ich mich versehe, setzt ein Zahlengewitter ein. In wenigen Sekunden schnellt die Summe auf „130 . . . zum Ersten . . .“ Ich reiße meine grüne Bieterkarte gen blauen Turnhallen-Himmel. Jetzt steige ich ein, ich, die Nr. 56. Ja, ich war schon sehr früh hier. Neben mir sitzt die spätere 575.

Wie etliche andere auch, habe ich vor Beginn der Versteigerung jedes Stück begutachtet – es sind Überraschungseier für Erwachsene. Mit prüfendem Kennerblick stapfe ich durch die bunte Anhäufung von Leder, Plaste und Blech. Klopfe hier, schüttele dort, hebe da mal ein Gepäckstück an, denn je schwerer, desto verheißungsvoller. 600 Stück liegen auf der Bühne. Sie haben alle zusammen einen Umzugslaster gefüllt.

Immerhin, die Lufthansa transportiert im Jahr über 80 Millionen Gepäckstücke, die auf Laster verladen, einen Stau von etwa 750 Kilometern Länge ergeben würden. Das wäre die Strecke von München bis hinter Hannover. Von dieser Menge bekommt das Auktionshaus Wendt jährlich etwa 20 LKW-Ladungen ab.

Hier auf der Auktionsbühne stiefele ich mit hundert anderen Interessenten umher, auf der Suche nach extravagantem Futter für die Spaßgesellschaft. Ich suche nicht nur einen Koffer, sondern eben den Kick. Ich, die in Sachen Glück noch nie das große Lotterie-Los gezogen hatte. „150 . . . zum Zweiten“ .

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