Lanzarote
Schrott. Schlacke. Schönheit.

Der menschliche Vulkan César Manrique ist auch Jahre nach seinem Tod nicht erloschen. Er beeinflusst nach wie vor die Bewohner der Insel und ihre Besucher. Vielleicht auch deshalb lockt Lanzarote vor allem Künstler an – und die Kreativität von Menschen, die sich eigentlich nur vom Business erholen wollen.

Gleich ein Dutzend Mal ist César Manrique zu sehen – in der Galerie „Arte de Obra“ im Bergdorf Haria auf der Vulkaninsel Lanzarote auf lebensgroßen Fotos. Titel: „12 Jahre ohne César, 12 Vorschläge“. Daran arbeiten in Workshops Studenten aus aller Welt und sorgen so mit dafür, dass der menschliche Vulkan César Manrique auch Jahre nach seinem Tod nicht erlischt. Er beeinflusst nach wie vor die Insulaner und ihre Besucher. Vor allem Künstler.

Nicht alle (Gott sei Dank, sagen viele). Denn einladend ist sie nicht, diese schwarze Insel. Lanzarote spaltet Touristenströme mit den scharfen Spitzen und Kanten der erstarrten Lava, die das Eiland im Ozean weitgehend unzugänglich und glücklicherweise größtenteils unbebaubar macht: Da sind die, die einmal und nie wieder kommen, und die, die immer wieder auf die Insel fliegen. Selten ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch wenn sie entflammt ist, die Liebe, dann bricht sie immer wieder aus – wie einer der mehr als 50 Vulkane auf der Insel.

Die brachen in den Jahren zwischen 1730 und 1736 praktisch pausenlos aus und verwüsteten als unbarmherzige Landschaftsgestalter Dörfer und Felder. Aus der so entstandenen Mondlandschaft ragen heute in flammenden Farben die Feuerberge. Hier spürt man die Energie der Insel – Statik und Dynamik zugleich – am deutlichsten. Denn die Vulkane sind nur oberflächlich erkaltet. In ihrem Inneren brodelt es weiter – sie inspirieren so auch ein künstlerisches Klima, in dem immer wieder neue Kreativität ausbricht. Dafür sorgte lange Jahre César Manrique. Ihm verdankt Lanzarote, dass dort, wo die Lava Luft gelassen hatte, lange Zeit nicht alles gnadenlos zubetoniert wurde. Der kleine, kompakte Mann beharrte auf seinem Baustil: quadratisch, praktisch, weiß – mit blauen Fensterrahmen am Meer und grünen im Inselinneren. Er verteufelte Hochgeschossiges.

Der einzige Hochbau, das Grand-Hotel in der Inselhauptstadt Arrecife, war jahrelang eine Ruine, inzwischen ist sie wiederbelebt als Hotel.

Manrique gelang eine kunstvolle Kapitulation vor den Urkräften der Natur, weil er sie mit einbezog in die Gestaltung der Vulkanlandschaft, und zwar so geschickt, dass die meisten seiner Bauwerke erst im letzten Augenblick erkennbar werden.

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