Lebensoptimierung: Lasst. Mich. Schlafen.

Lebensoptimierung
Lasst. Mich. Schlafen.

Muss ich mich mit Fitness-Tracker am Handgelenk um 4:30 Uhr aus dem Bett quälen, um mich selbst, mein Leben, meine Produktivität zu optimieren? Nein, Ich verweigere mich. Aus, wie ich finde, besten Gründen. Eine Glosse.

DüsseldorfHeute bin ich endlich einmal produktiv. Eigentlich führe ich ein Lotterleben, lasse mich richtig gehen, bin um neun, manchmal auch erst um zehn bei der Arbeit. Und, Gott bewahre, hier und da lege ich sogar eine Nachtschicht ein. Heute, aber heute, da habe ich Frühdienst. Mein Wecker klingelte um 4.30 Uhr. Produktiv kann ich den Tag mit Sport beginnen, mit einem gesunden Frühstück, ich kann die Ruhe des Morgens nutzen, um mich zu sammeln und mental auf die bestmögliche Gestaltung des Arbeitstags vorbereiten. Früh aufstehen, acht, vielleicht neun oder auch einmal zehn Stunden arbeiten, die Zeit am Abend für soziale Aktivitäten nutzen. Und wenn die Familie im Bett ist, gegen Mitternacht noch einmal schnell in die E-Mails linsen, wegen der Kontakte aus Übersee. Vielleicht bestelle ich mir auch noch einen Fitness-Tracker und eine App, die mir sagt, wie ich mich krass mache, wann ich ein Glas Wasser trinken muss und warum ich mir jetzt das Stück Schokolade verkneife.

Glauben Sie an so etwas? Ich nicht. Wenn um 4:30 Uhr mein Wecker klingelt, habe ich nur einen Gedanken: Lass. Mich. Schlafen. Ich bin bei meinem Dienstbeginn um sechs Uhr morgens in etwa so frisch wie das Käsebrötchen aus der Auslage, das ab 14 Uhr zum halben Preis verkauft wird. Apropos Käsebrötchen: Das inhaliere ich auf dem Weg zur Frühschicht. Kaffee? Wirkungslos. Darüber hinaus treibe ich überhaupt keinen Frühsport. Mal abgesehen von den wiederkehrenden Sprinteinlagen, wenn ich unter der Dusche mit stoischem Blick die Zeit vertrant habe und drohe, die Tram zu verpassen.

Mein Biorhythmus hasst mich. Er möchte gerne lange aufbleiben, er guckt gerne Spiele der US-Basketball-Profiliga NBA, hört Musik und verliert sich in Büchern. Und dann will er ausschlafen, bis in die Puppen. Morgenstund‘ hat vieles im Mund, aber kein Gold. Frühe Vögel fangen sich allenfalls böse Blicke, aber keine Würmer. Jedes Mal, wenn der Wecker zu einer Zeit klingelt, in der ich auch immer wieder mal erst ins Bett gehe, frage ich mich: Warum?

Das frühe Aufstehen ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Das ist buchstäblich zu verstehen, Schlafforscher sprechen nicht aus Spaß von verschiedenen Schlaftypen, den Eulen und den Lerchen. Letztere springen bei den ersten Sonnenstrahlen putzmunter durch den Wald, laufen eine Runde, bringen die Kinder zur Schule, haben zwischen Frühstück uns Arbeitsbeginn noch genügend Energie, die Welt ein bisschen besser zu machen. Ich bin eine Eule, gegen das Erwachen der Welt habe ich dicke Vorhänge und Oropax. Wenn ich um 14 Uhr acht Stunden Arbeit hinter mir habe, habe ich nicht noch den ganzen Tag vor mir, sondern mein Bett.

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Party all the time!

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