Lena vor der Titelverteidigung
Das Fräuleinwunder vor der Nagelprobe

Am 14. Mai tritt Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf an. Vor einem Jahr konnte sie dort mit mädchenhaftem Charme überzeugen, nun sind andere Qualitäten gefragt - es lauern Fallstricke.
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DüsseldorfVor einem Jahr war Lena Meyer-Landrut noch der Liebling der Nation. Nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest machten Begriffe wie „Lena Nazionale“ und „neues deutsches Fräuleinwunder“ die Runde. Der „Spiegel“ mutmaßte gar: „Lenas Gesicht ist offensichtlich auch das Gesicht eines neuen Deutschland.“ Mit ihrer Unbeschwertheit diente die 19-Jährige als Projektionsfläche für eine junge, lockere und lebensbejahende Generation.

Zwölf Monate später ist der überschwängliche Freudentaumel einer Ernüchterung gewichen. Auf ihrer ersten Tournee waren die großen Hallen der Republik nur zur Hälfte gefüllt. Die TV-Quoten des Vorentscheids mit drei Shows und zwölf Lena-Songs waren mittelmäßig. Und ihre überdrehte, flapsige Art wirkt auf viele Beobachter nicht mehr natürlich und spontan, sondern aufgesetzt und berechnend. Als Lena im März den Echo für die erfolgreichste Newcomerin und beste deutsche Künstlerin bekam, wurde ihre Dankesrede aus dem Publikum sogar mit einem unfreundlichen „Aufhören“ quittiert.

Seit 15 Monaten steht Lena Meyer-Landrut im Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Die damals 18-Jährige hatte sich bei Stefan Raabs Castingshow „Unser Star für Oslo“ beworben und schaffte es prompt in die Top-Ten-Sendung. Juror Marius Müller-Westernhagen zeigte sich sofort begeistert von Lena. „Du hast Star-Appeal. Die Menschen werden dich lieben“, sagte er.

Auch die Fernsehzuschauer mochten die quirlige Hannoveranerin. Sie wollten Lena auf der großen europäischen Bühne für Deutschland singen sehen und entschieden sich für die damalige Abiturientin. Sie selbst kommentierte den Finalsieg im Vorentscheid auf ihre eigene Art: „Das ist verdammt derbe.“

In Norwegen angekommen entwickelte sich die von Raab ausgerufene „nationale Aufgabe“ zu einem Selbstläufer. Lena eroberte im Sturm die Sympathien der anderen Teilnehmer und Buchmacher handelten sie als Topfavoritin. Der alles entscheidende Moment kam am 29. Mai um 22.35 Uhr. In einem schlichten schwarzen Kleid und mit tiefrotem Lippenstift betrat Lena die Bühne. Ihr oftmals kritisierter Tanzstil wirkte statisch und unkoordiniert. Das mädchenhafte Lächeln in ihrem Gesicht verriet aber: Lena fühlte sich wohl und hatte Spaß.

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  • Es ist mehr als fragwürdig, die Karriere der Künstlerin mit einem zweiten ESC Sieg zu verknüpfen. Vor Lena wäre jede TOP 10 Platzierung als Erfolg gefeiert worden, jetzt klingt es, als ob schon Platz 2 ein Versagen bedeutet.
    Auch wird bei keinem anderen Konzert, bei dem mehr als 5000 Besucher anwesend sind, dem betreffenden Künstler dann schon hämisch vorgehalten, dass die Halle nicht ausverkauft war.
    Leider übernehmen viele Artikel unreflektiert und unrecherchiert Schlagzeilen, die durch das Web geistern und verstärken so jeden Hype oder jeden Anti-Hype.
    Eine neutrale Betrachtung findet man mittlerweile leider viel zu selten.

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