Liberale Friedensoase im Nahen Osten: Der König macht Dampf

Liberale Friedensoase im Nahen Osten
Der König macht Dampf

Nachdem der frühere jordanische König Hussein Mitte der 90er einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hatte, gin es mit dem kleinen Land am Toten Meer wirtschaftlich steil bergauf.

HB AMMAN. Dass ihm einmal ausgerechnet ein Baby das Datum für die Eröffnung eines Hotels diktieren würde, hätte sich Kempinski-Manager Harald M. Peters nicht träumen lassen. Doch obwohl Jordanien unter seinem jungen König Abdullah zu den liberalsten Ländern im Nahen Osten gehört: Bevor nicht Königin Rania ihr viertes Kind zur Welt gebracht hat, verbietet sich eine große Eröffnungsfeier im Beisein des beliebten Herrschers. Die Niederkunft des Nachwuchses wird für März erwartet; also plant der General Manager im neuen Kempinski Hotel Amman seine Fete für April.

Dann wird es allerdings auch höchste Zeit, denn vom 20. bis 22. Mai findet das dritte World Economic Forum am Toten Meer statt - bis dahin muss der Laden laufen. Zwar haben sich die Spitzen aus Wirtschaft und Politik vor allem das Konferenzzentrum des Mövenpick Resort & Spa und das brandneue King Al Hussein Bin Talal Convention Centre mit Helikopter-Landeplätzen. Die Anzahl adäquater Betten am tiefsten Punkt der Erde reicht jedoch nicht aus für die erwarteten 1 300 VIPs aus aller Welt.

Ein Teil der Teilnehmer wird sich also im 30-Auto-Minuten entfernten Amman einquartieren. Und dort ist die Konkurrenz um diese Klientel extrem hoch: Allein zwölf fünf Sterne-Hotel mit jeweils mindestens drei Restaurants, großen Tagungskapazitäten und durchweg sensationellen Zimmerpreisen von unter 100 Euro werben in Jordaniens Hauptstadt um Geschäftsreisende. Allein in den vergangenen drei, vier Jahren haben ein Hyatt Regency, ein Sheraton, ein Four Seasons und das Leading Hotel Le Royal ihre Pforten geöffnet. Das Kempinski mit 283 Zimmern bildet da nurmehr einen Schlusspunkt in der Eroberung Ammans durch die internationale Kettenhotellerie.

Das außergewöhnlich hohe Interesse an der 1,8- bis 2,4-Millionen-Einwohner-Metropole zwischen Israel, palästinensischen Autonomiegebieten, Saudi Arabien, Syrien und Irak kommt nicht von ungefähr. Nachdem der frühere König Hussein Mitte der 90er Jahre einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hatte, ging es mit Jordanien wirtschaftlich steil bergauf. Mit dem Verzicht auf Importsteuern für bestimmte Waren wie zum Beispiel Textilien zeigte sich beispielsweise die Clinton-Regierung bei King Hussein erkenntlich.

Dieser Akt hat nicht nur-zig Firmen ins Land gezogen und einen schwunghaften Export in Richtung USA bewirkt. Die Verträge haben den Bau neuer Hotels, Shoppingmalls und Restaurants in dieser Region erst richtig angekurbelt. Überdies tat der Hatschemitenkönig alles, sein dem westlichen Lebensstil gegenüber aufgeschlossenes Land als liberale Oase in Nahen Osten zu etablieren.

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