Little Big City Zürich
Oktoberfestgeld

Wer in diesen Tagen süddeutsche Geschäftsfreunde hat, braucht keine Feinde mehr, aber einen sicheren Hafen, in den er vor den unzähligen Einladungen flüchten kann. Schließlich ist Oktoberfest und ganz München ist in Bierlaune. Die ist laut und feucht. Das nahe Zürich erweist sich da als lohnende und ruhigere Alternative.

Und, mal ganz ehrlich, wenn auch hinter vorgehaltener Hand: Wollten wir nicht schon längst mal wieder unser Geld auf möglichst direktem Wege an den Zürcher Paradeplatz in Sicherheit bringen, dann sollten wir gleich ein paar Tage dranhängen, um uns drin zu wiegen. Nur: Ruhig wird es dort natürlich auch nicht, denn Zürich ist heute anerkannt eine der lässigsten Städte Europas.

Und hat dabei gerade mal ein paar Einwohner mehr als Bielefeld. Aber hier werden in der Lounge des neuen Park Hyatt Hotels internationale Milliardendeals angebahnt, und beim legendären Schnitzel in der Kronenhalle sitzen sich Hollywoodstars und Oligarchen gegenüber. Während andere Städte sich als Millionendörfer gefallen, wirkt The Little Big City (Züri-Deutsch für Züri), als hätte jemand, der es sich leisten kann, den Kern aus einer Metropole geschnitten und an einen schöneren Ort zwischen See und Berg verpflanzt - entspannter geht es nicht. Und weil das der Grund ist, hier zu sein, lautet die erste Regel: Gehen Sie zu Fuß! Alles ist höchstens zehn Minuten auseinander, und Bodyguards braucht hier niemand. Die Stadt folgt einem sehr unaufgeregten Beat. Und Beat meint nicht den männlichen Schweizer Vornamen.

Wen die Kronenhalle mit den Bänken und der hohen Decke für dieses eine Mal zu sehr an ein Bierzelt erinnert, der sollte trotzdem bei den Klassikern bleiben: Die beste Pizza der Stadt gibt es im Rosso, einem Laden, der in einer ehemaligen Industriehalle unter einer Autobahnbrücke versteckt ist und leider so hip, dass er kein Schild braucht, das den Weg über den verlassen wirkenden Parkplatz weist. Aber wer es findet, wird belohnt. Und wenn die Nächte schon kalt genug sind, dann gäbe es im Friburger Stübli ja auch noch das beste Käsefondue der Welt. Aber danach kann man nicht mehr in die Kronenhalle-Bar, bevor man nicht die Klamotten gelüftet hat.

Und das ist Pflicht: In der dunklen Bar unter einem Chagall oder Miró noch einen perfekten Drink nehmen, durchatmen und sich darüber freuen, dass es noch Orte gibt, an denen niemand grölt und singt. Hier spielen sie nicht einmal Musik. Alles nur 35 Flugminuten vom Airport Franz Josef Strauß entfernt.

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