Londoner Paläste öffnen Pforten
Sommertagstraum

Jahrzehnte Lang waren die Londoner Residenzen englischer Adeliger nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Jetzt öffnen die Paläste ihre Gemäuer für anregende Zeitreisen durch alte und neue Adels-Geschichte(n).

An dem königlichen Paar hätte die deutsche Familienministerin ihre Freude gehabt: 15 Kinder setzten George III. und seine Gemahlin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz in die Welt - keine königliche Familie Englands schaffte einen größeren Kindersegen.

Kew Palace, Wohnsitz der Großfamilie vor 200 Jahren, war zehn Jahre lang nicht zugänglich. Jetzt ist das "Dutch House", wie es wegen seines holländischen Aussehens genannt wird, aufwendig - für 6,6 Millionen britische Pfund, das sind 9,8 Millionen Euro - und mit jeder Menge unterhaltsamer Innovationen restauriert.

Der dritte Georg aus dem Fürstengeschlecht der Welfen war nicht der Erste aus dem Hause Hannover auf der britischen Insel, jedoch der Erste, der von Geburt an auf ihr lebte. Er liebte das Leben auf dem Lande, deshalb fühlte sich "Farmer George" auch so wohl in seinem kleinen Palast mit den üppigen Gewächshäusern in Kew Gardens.

Für den Vorfahr des Geschlechts, aus dem auch Ernst August, der dritte Gatte der monegassischen Prinzessin Caroline, stammt, war der Palast im Grünen nicht nur ein Ort der Erholung vom Londoner Trubel, sondern auch eine Rückzugsmöglichkeit - immer dann, wenn die dunklen Geister über George kamen, er in geistige Umnachtung verfiel, Symptom der königlichen Stoffwechsel-Erkrankung Porphyrie, ein Leiden, das dazumal gar nicht so selten war und durch arsenhaltige Medikamente noch verstärkt wurde. Da ist Georges Gattin, die Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, in hübscherer Erinnerung. Ihr Name ist bis heute nicht verblüht. Nach ihr sind die prächtigen Paradiesvogel-Blumen benannt, die der herrschaftliche Untergärtner Francis Masson 1775 aus Südafrika mitbrachte.

Drei Hochzeiten und ein Todesfall Strelitzien gedeihen auch heute noch in den Gewächshäusern in Kew Gardens. Hier zu Lande sind die "Papageien-Schnäbel" vor allem auf Flughäfen zu bewundern - als cellophanverpacktes, ebenso beliebtes wie sperriges Mitbringsel von den Kanarischen Inseln.

Kews Familien-Chroniken geben einiges her: drei Hochzeiten und ein Todesfall. In ihrem Todesjahr 1818 konnte Georges Gemahlin Charlotte an diesem Ort noch fröhliche Hochzeiten für drei ihrer Kinder ausrichten. Fast glaubt man, bei all dem königlichen Treiben dabei gewesen zu sein. Das gelingt mit einer technisch ebenso raffinierten wie behutsamen Form der interaktiven Animation in den alten Gemäuern. Der Besucher fühlt sich angesprochen - im Wortsinne. Schon draußen im Park, wenn zwischen dem knirschenden Kies plötzlich Stimmen aus den Kanaldeckeln hallen.

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