Londoner Szene-Viertel
Im Osten viel Neues

Das ehemals heruntegekommener Londoner East End ist in fünf Jahren zum neuen Hotspot der Kreativ-Szene mutiert – mit schicken Clubs, Restaurants und witzigen Läden. Vorreiter des Trends waren ein älteres, aber berühmtes Männer-Duo.

Rivington Street ist eine schmale Gasse in Londons eher unglamourösem East End: Kopfsteinpflaster, trutzige Backsteinhäuser, ein paar kuriose Geschäfte, kaum Verkehr. Elaine Lassman steigt aus einem geräumigen schwarzen Taxi und verschwindet hinter der Glastür von Hausnummer 42. Sie fällt sofort auf. Nicht nur hier, im Fashion-meets-Rock-’n’-Roll-Laden „Start“. Sie ist groß, schlank und trägt einen perfekt geschnittenen, rabenschwarzen Bob über akkurat geformten Augenbrauen. Sie balanciert auf mindestens zwölf Zentimeter hohen Absätzen und lässt die schwarze Marc-Jacobs-Sonnenbrille auch beim Studieren der Chloé-Blusen und der Duschgels von REN auf. „Start“ sieht aus wie secondhand, führt aber die neuesten Modelle von Miu Miu, Stella McCartney und Marc Jacobs auf Lager. Sie schaut genau. Und fragt präzise: Ist dieses Modell auch an der Bond Street erhältlich? Nein? Sicher nicht? Gut so!

Das East End hat sich in den vergangenen fünf Jahren als neues Mekka der Londoner Trendsetter etabliert. Zu den frühen Pionieren zählen Künstler wie das Konzept-Art-Duo Gilbert und George und Tracey Emin, die hier bereits in den 1990er-Jahren extravagante Kunsthappenings inszenierten. Ihnen folgten mutige Galeristen, denen die niedrigen Mietpreise und großzügigen Platzverhältnisse entgegenkamen, und smarte Kreative, die in dem heruntergekommenen Viertel eine Inspirationsquelle fanden.

Es folgte das Übliche: coole Bars, schräge Cafés und Läden, in denen sich das Szenevolk mit Designerlampen, Vintage-Handtaschen und exotischen Teesorten eindecken kann. Und: ein fulminanter Anstieg der Immobilienpreise. „Straßen wie Rivington Street, Commercial Street und ihre kleinen Nebengassen gelten inzwischen als unglaublich hip“, sagt Elaine Lassman. „Ich mag die Gegend auch, sie erinnert mich an das East Village in New York.“

Sie muss es wissen. Ihr Ehemann Anthony Lassman ist Herausgeber der exklusiven „Nota Bene“-Guides und gilt als Guru aller zeitgeist- und trendorientierten Traveller. Elaine produziert parallel dazu „NB Pulse“, ein auf Shopping und Service fokussiertes Pendant, in dem die besten Läden, Spas und Galerien gelistet werden.

Sie verlässt „Start“ und geht quer über die Straße, wo die Herrenmode-Dependance residiert. Auch hier wieder das Neueste in Sachen Mode: schwarze Röhrenhosen von Dior, schmal geschnittene Hemden, Bikerstiefel – alles extrem teuer, aber cool.

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