Luftfahrt
Kapitän, bitte melden!

Airlines wie Lufthansa, Air Berlin oder Air France finden kaum noch Piloten. Also jagen sie einander das Cockpit-Personal ab, wo sie nur können. Besonders die jungen, aufstrebenede Fluggesellschaften im Nahen und Mittleren Osten locken Pilpten mit Dollars und Privilegien. Doch das Rennen um die Flugkapitäne könnte bald unangenehme Folgen haben – auch für die Sicherheit über den Wolken.

BREMEN. Ein Segelschiff aus Holz von Kuwait Airways, vier Keramikkrüge von Iberia, eine Ritterrüstung von Air Malta: Die Gäste zeigten sich auf ihre Weise erkenntlich für das, was sie einst hier lernten, in der Pilotenschule der Lufthansa in Bremen. Staub haben die Präsente in der Vitrine zwar nicht angesetzt, aber neue Gesellschaft werden sie fürs Erste keine mehr bekommen. Denn Gäste sind hier in Bremen nicht mehr willkommen, selbst wenn sie zahlen und Geschenke hinterlassen. Lufthansa, die größte deutsche Fluggesellschaft, bildet Piloten nur noch für sich selbst aus - und zwar bis an die Kapazitätsgrenze. 360 Flugschüler werden dieses Jahr das erste Mal abheben - mehr als je zuvor.

Und nicht einmal das genügt, um die Airline mit dem Kranich als Wappenvogel auf Expansionskurs zu halten. Die Lufthansa, die heute in Frankfurt ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2007 präsentiert, will in diesem Jahr 430 neue Piloten einstellen. Zu den Schulabgängern aus Bremen muss Lufthansa -Chef Wolfgang Mayrhuber weitere 100 Piloten besorgen. Einige wird er ausleihen, andere bei Konkurrenten abwerben - und muss zugleich dafür sorgen, dass seine 4 700 Piloten bei Laune bleiben.

Fast mehr noch als um Marktanteile, Strecken und Landerechte balgen sich die Airlines um Kapitäne für ihre Jets. "Um qualifizierte Piloten wird weltweit gekämpft", sagt Jürgen Raps, Chefpilot und seit 2007 Bereichsvorstand Flugbetrieb der Lufthansa. Und: "Die Methoden gehen in Richtung Wildwest." Denn die Branche expandiert, aber Piloten werden immer knapper.

Die bei Airbus und Boeing für Milliardensummen bestellten Maschinen müssen "bereedert" werden, wie es in der Airlinesprache heißt. Vor allem aufstrebende Fluggesellschaften aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten suchen, werben ab und stellen ein, was fremde Pilotenschulen und frustrierte Cockpits hergeben. Branchenschätzungen zufolge werden weltweit 17 000 neue Flugzeugführer gesucht - pro Jahr.

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