Luxus unter 100 Euro
Nobelmarken im Preis-Test

Es ist Zeit ans Schenken zu denken. Deshalb war Handelsblatt-Online-Autorin Inge Hufschlag auf der Düsseldorfer Königsallee unterwegs und testete, wie sich Verkäufer der Nobel-Marken im unteren Preisbereich bewegen.
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DüsseldorfEs ist diese unvergessliche Szene in „Frühstück bei Tiffany“: Schriftsteller Paul lässt Audrey Hepburn, die so hinreißend das Party-Girl Holly Golightly verkörpert, einen billigen Blechring gravieren. Bei Tiffany. Ganz großes romantisches Kino. Gibt’s das auch im wirklichen Leben?

Der Verkäufer in der schicken Kö-Filiale des Luxus-Juweliers zögert, will aber offensichtlich nicht unfreundlich sein. „Für unsere Kunden tun wir fast alles“, lächelt er. Es muss ja nicht gerade das Ringlein aus dem Kaugummi-Automaten sein. Tiffany hat ein Herz für Romantiker schon für 70 Euro, aus 925-er Silber. Und für 95 Euro ist sogar die Gravur mit drin.

Das ist tragbar auch für Leute, die nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren sind (bei Bedarf: Tiffany-Breilöffel ab 120 Euro). Unter 100 Euro kann man online vielleicht noch einen Schlüsselanhänger aus palladiumbeschichtetem Messing bestellen, für 80 Euro.

Und beim Mitbewerber Cartier, ein paar Häuser weiter? „In dieser Preislage wird relativ selten etwas nachgefragt“, lässt sich der misstrauisch schauende Verkäufer zu einer Antwort herab. Er trägt einen weißen Handschuh mit dem berühmten Schriftzug.

Wahrscheinlich, um Kundschaft anderen Kalibers „Statement-Schmuck“ zu präsentieren. Geht auch über das Internet. Da liegt eine Halskette aus Gold und Platin mit gelben und weißen Diamanten leicht im siebenstelligen Bereich. Man muss sich ja nicht gleich entscheiden. Ganz unten steht ganz klein: „später speichern“. Und was ist mit der Tinte? Mr. Hohes C guckt irritiert, nickt dann aber. Die für den Cartier-Patronenfüller. Unter 10 Euro. Aber, schade, gibt’s nicht mehr in der attraktiven Hausfarbe blutrot, nur noch in schwarz und blau.

Was unter 100 Euro? Da schauen sich die beiden jungen top-gestylten Asiaten hinter der Prada-Theke ratlos an und wenden sich ab. Da fängt für sie weder das Schenken noch das Denken an. Man sieht, die Frage ist ihnen peinlich. Also, bevor wir hier einen Hals kriegen, ab ins Internet zu www.mybestbrands.de.

Dort könnten wir immerhin ein Prada-Kunstpelzkrägelchen schon für 45 Euro kriegen (hat vorher immerhin 124 Euro gekostet). Fehlanzeige auch bei Louis Vuitton. Höchstens was ab 100 mit den begehrten Initialen LV: ein seidenes Haarband. Ist auf einem Schaufensterpuppenkopf dekoriert und sieht dabei weder modisch noch edel aus.

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