Luxusmode
Ein Blogger fürs Image

Für Modeblogger ist die Mailänder Fashion Week ein Muss. Nicht selten finanzieren die großen Labels den Bloggern ihren Trip zu den Modenschauen. Doch längst steht mehr auf dem Spiel als nur ihre Unabhängigkeit.
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MailandKathrin Bierling ist ein wenig gestresst. Am Morgen noch in München, steht sie jetzt, mittags, auf der Piazza Oberdan im Zentrum Mailands, nur einen Katzensprung entfernt vom angesagten Fashion-Viertel der Stadt, wo sich ein großer Name der Modewelt an den nächsten reiht. Bierling ist als Chefredakteurin für instyle.de unterwegs und für ihren Blog Modepilot. Ihre Aufgabe für die nächsten Tage ist taff: Sie muss genau hinschauen, fotografieren, posten. Und ihr Talent wird gleich zu Beginn bei einem der Großen gefordert: Zur ersten großen Schau hat kein geringeres Label geladen als Gucci.

Noch vor einigen Jahren galten Blogger als die neue, unabhängige Stimme in der Modewelt. Mit ihrem ungefilterten Urteil direkt vom Laufsteg rüttelten sie die Meinung der bislang tonangebenden Modemagazine wie Vogue oder Elle auf. Sie taten es um der Sache willen, ohne sich von den Werbeofferten der Labels – Gratiskleider, Gratisflüge, Gratisevents – beeindrucken zu lassen. Heute hat sich das bei vielen geändert.

Zuletzt hat Suzy Menkes, eine der Meistgeachteten unter den Modejournalistinnen, ihrem Ärger über die Konkurrenz öffentlich Luft gemacht. In der Online-Ausgabe des Time Magazines im Februar geht sie die Nehmerkultur vieler Blogger an. Sie ließen sich kaufen, nur um dabei sein zu können bei den großen Shows und gäben das auf, was Blogger eigentlich ausmache: die Individualität, das eigene Urteil, basierend auf dem eigenen guten Geschmack.

Längst brüsten sich einzelne Marken damit, dass angesagte Blogger exklusiv für sie schreiben. So bloggte der von den Philippinen stammende Bryanboy im letzten Jahr exklusiv für Hugo Boss aus Berlin. Später löste ihn die Schweizer Bloggerin Kristina Bazan, alias Kayture, als Vorzeigebloggerin ab. Gerade erst war sie für Hugo Boss bei dessen Fashion Show in Shanghai.

Andere Blogger würden es dagegen vor allem auskosten, sich selbst in Szene zu setzen. Namentlich schreibt Suzy Menkes in ihrem Beitrag im Time Magazine Susie Lau, alias Susie Bubble, herunter. Auch an der als Teenage-Bloggerin bekannt gewordenen Tavi Gevlinson lässt sie wenig Gutes. In den Blogs der beiden würde sich vor allem Selbstbelobigung finden, ganz nach dem Motto: „Schaut, wie gut dieses Kleid mir steht, seht, wo ich diese wunderbaren Schuhe gefunden habe!“

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