Luxuszug Ghan
Southern Comfort

Eine Zauberwelt aus Wüste, Wasser und Weite: der extravagante Zug Ghan fährt einmal quer durch den australischen Kontinent – eine wahrhaft stilvolle Art zu reisen. Im ehemaligen Privatwaggon von Edward, Prince of Wales, werden heute schon mal Aufsichtsratssitzungen abgehalten.

Die ersten Briten in Australien müssen wahnsinnig gewesen sein. Kaum hatten sie die endlose Reise über den gar nicht friedlichen Pazifik heil überstanden und sich durch lebensbedrohliche Quallen, Haie oder Salzwasserkrokodile bis an den Strand vorgekämpft, beschlossen sie, ins sonnenverbrannte Landesinnere vorzudringen. Manch ein Entdecker ist dabei verdurstet, zuletzt 1861 das Team aus Robert Burke und William Wills.

Wer sich heute auf die knapp 3 000 Kilometer lange Reise von der australischen Süd- an die Nordküste begibt, hat deutlich kleinere Probleme: „Warum müssen diese Idioten von Lokführern nachts eigentlich dauernd das Signalhorn betätigen?“ Das ist im Speisewagen des Ghan das Thema beim Frühstück. Ein paar Leute haben schlecht geschlafen in dem Zug, der in Adelaide an Australiens Südküste startet, um durchs rote Herz des Kontinents bis ins tropische Darwin vorzudringen.

„Ich hupe nicht aus Spaß, sondern wegen der Tiere!“ Lokführer Ike fährt seit 48 Jahren durch Australien, und dieses Mal hat er 32 Waggons im Kreuz und damit soliden Stahl in einer Länge von 1 300 Metern. Wenn Ike damit nachts durch das Outback donnert, stehen manchmal Kängurus auf den Gleisen. Die 115 Stundenkilometer, die der Zug dann maximal draufhat, sind zum Schlummern langsam genug, für einen Stopp aber zu viel. „Wenn ich vorne voll auf die Bremse latsche, fliegt Ihr hinten aus den Betten“, sagt der Lokführer und grinst, „also hupe ich lieber.“

Tiere spielten immer schon eine große Rolle in der Geschichte dieses Zuges. Sein Wappen beispielsweise erinnert an die afghanischen Kamele, die vor 150 Jahren als die ersten Transportmittel im Outback zum Einsatz kamen. Auf ihren Spuren wurde 1929 eine Trasse in Betrieb genommen, deren hölzerne Schwellen aber schneller von Termiten gefressen wurden, als die Arbeiter sie legen konnten. Seit 1980 steht eine neue Strecke mit Schwellen aus Beton, und hinter jedem zweiten Waggon hängt ein gut bestückter Speisewagen. Heute bestimmt vor allem die Dicke des Geldbeutels das Ausmaß des Reisekomforts. Das Angebot im Ghan reicht vom Schlafsessel für Rucksacktouristen über gemütliche Zweimannkabinen bis hin zu den Luxusschlafräumen in dem 1919 entstandenen, holzgetäfelten Privatwaggon, in dem Edward Prince of Wales Australien zu bereisen beliebte.

Heute wird dieser Waggon gerne von Unternehmen für eine Aufsichtsratssitzung auf Schienen gebucht. Doch egal, ob einer aus einem billigen Sleeper-Seat nach draußen starrt oder aus dem Privatgemach: Das eindrücklichste Erlebnis der Reise bleibt die Weite des Kontinents, den tagsüber die Sonne und nachts das Kreuz des Südens regieren. Die Trasse führt durch Farmen, die größer sind als mancher Bundesstaat der USA. Das Land ist so trocken, dass es gleich ein paar Quadratkilometer braucht, um ein Rind zu ernähren. Im Zug sorgt die Klimaanlage für gemütliche Temperaturen, doch es reicht, die Hand ans Fenster zu legen, um durch das Glas die bis zu 50 Grad Hitze zu spüren, die in den Sommermonaten draußen herrschen.

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