Metropole Frankfurt am Main
Wettbewerb mit Paris, London und Mailand

Noch immer gilt Frankfurt am Main in der Welt als "kalte Bankenstadt", das plakative Adjektiv ist nicht klein zu kriegen. Auf der anderen Seite gewöhnt sich die größte Stadt Hessens an ihre Rolle als Zentrum einer führenden Metropolregion

FRANKFURT Stadt der Superlative und Alleinstellungsmerkmale. Die kleinste Großstadt der Welt mit der einzig wahren Hochhauskulisse Europas ist nicht nur wichtigster Finanzplatz der Republik und 'die' Verkehrsdrehscheibe im Herzen des Kontinents, sie ist auch Hauptstadt des deutschen Sports und der nationalen Werbebranche. Frankfurts Paulskirche gilt als Wiege der deutschen Demokratie, die Zeil als Deutschlands umsatzstärkste Einkaufsmeile. Daneben glänzt die Stadt mit Buchmesse und IAA, mit dem wichtigsten Internetknoten und der höchsten Arbeitsplatzdichte der Republik. Frankfurt ist wirtschaftliche Potenz und entspanntes Multikulti.

Das klingt nach Glamour. Aber Frankfurt hadert auch mit seinem Image. Noch immer gilt man in der Welt als "kalte Bankenstadt", das plakative Adjektiv ist nicht klein zu kriegen. Wirtschaftliche Turbulenzen bekommt Frankfurt in den Griff, die Außenwahrnehmung nicht.

Nur 1,7 Tage wollen Reisende im Schnitt bleiben. Dabei hat die Goethestadt mit ihren kurzen Wegen, mit Handkäs und Ebbelwoi, einem üppig subventionierten Top-Angebot an Museen und Bühnen, aber auch mit nahen Ausflugszielen in Taunus, Odenwald oder Rheingau auf kleinstem Raum Großes zu bieten.

Tröstende Anekdoten von Expatriates, die erst "not amused" waren, als sie nach Frankfurt versetzt wurden, und jetzt gar nicht mehr weg wollen, gehören längst zum lokalpatriotischen Beschwörungsritual.

Die Hauptstadt der Dienstleister ist noch immer gern mit sich selbst beschäftigt, erliegt mitunter dem eigenen Klischee: Die Geschäfte laufen, Messen und Kongresse ziehen, was will man mehr? Auch andere Eigenheiten prägen indirekt das Bild "draußen". Da ist die Bevölkerungsstruktur, die Dynamik zwischen Umland und City: Überdurchschnittlich viele Menschen, die hier leben und arbeiten, kommen ursprünglich von woanders, am Tag machen Pendler und Gäste die 650 000er-Stadt zur Millionenmetropole. So schwankt das Zusammenleben zwischen engagiertem Miteinander, geschäftigem Nebeneinander und gleichgültigem Durcheinander - was allemal eine Stärke ist, aber auch zu einer diffuseren Identifikation der Bürger mit "ihrer" Stadt führt. Da sind Individualismus und starker Unternehmergeist, gepaart mit traditionell großem bürgerschaftlichem Engagement. Nicht, dass Frankfurt keine Regierung bräuchte - doch mitunter hat man den Eindruck, als sei das Römerparlament nur ein Juniorpartner. Während Politik und Medien noch über Stillstand klagen, haben wendige Macher und Investoren die City schon wieder in die Zukunft katapultiert. Bei so viel Betriebsamkeit ist kaum Zeit für Reflexion.

Seite 1:

Wettbewerb mit Paris, London und Mailand

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%