Miniaturland „Gulliver's Gate“
Das günstigste Immobilienprojekt New Yorks

In 80 Minuten um die Welt? Die Miniaturausstellung „Gulliver’s Gate“ macht es möglich. In New York ist ein Liliput-Querschnitt der Welt samt Sphinx und Taj Mahal entstanden – mit Hilfe von Immobilieninvestoren.
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New York„Wir suchen einen H0-Spezialisten in Vollzeit.“ Dieser Satz mit der beliebtesten Nenngröße von Modelleisenbahnen im Mittelpunkt könnte für einen Menschen das Hobby zum Beruf machen. Eiran Gazit hat das bereits hinter sich. Als Modellbaufan von Kindesbeinen an hat er mit Anfang 60 dafür gesorgt, dass sich derzeit am New Yorker Times Square ein Häuserblock-breites Gebäude mit elektrischen Eisenbahnen und Figürchen füllt, umrahmt von Modellbauten, die in monatelanger Kleinstarbeit entstanden. In Gazits Hand liegt quasi die ganze, weite Welt.

Das World Trade Center One ist als Teil eines Mini-Manhattans mit dabei, der Rote Platz liegt im russischen Winterland, die Verbotene Stadt im Asien-Teil und der Machu Picchu im gegenüberliegenden Lateinamerika-Display. Im Maßstab 1:87 bilden Modellbauer aus acht Ländern und vier Kontinenten die Welt ab – oder besser gesagt: die Welt, die wir gerne hätten.

Da braucht es keine scharfen Sicherheitsvorkehrungen, um den Tempelberg in Jerusalem zu besichtigen, auf dem Weg zum Taj Mahal sind keine Bettler in Sicht, in Lateinamerika keine Drogenfelder. „Das hier ist eine magische, fröhliche Version der Welt“, sagte Gazit vor der Eröffnung von Gulliver’s Gate. „Wir haben keine Slums. Wir haben keine Kriege. Wir haben keine Katastrophen.“

10 Jahre lang hat er diese Ausstellung geplant, drei Jahre lang Investoren gesucht. Eine Kickstarter-Kampagne im Jahr 2014 zielte auf 20.000 Dollar und fand 98 Unterstützer, die insgesamt 21.642 Dollar spendeten. Doch der Betrag erwies sich als Tropfen auf dem heißen Stein. Die tatsächlichen Kosten der Ausstellung haben ganz andere Ausmaße erreicht, die Macher sprechen von sage und schreibe 40 Millionen Dollar.

Mit im Boot sind inzwischen die New Yorker Immobilienmanager Irving und Michael Langer. Zynisch ließe sich sagen, günstiger als in die Modellbauten lasse sich heutzutage in New York nicht mehr in Immobilien investieren. Die Geldgeber setzen dabei keineswegs auf einen spinnerten Modellbahnsammler. Gazit hat Erfahrung mit Miniaturwelten beachtlicher Ausmaße. Der in Tel Aviv geborene Unternehmer hatte 2002 Mini-Israel eröffnet. Im Freien stehen dort Modelle israelischer Sehenswürdigkeiten im Maßstab 1:25 – Wolkenkratzer überragen Erwachsene. Das Projekt fand genug Zuspruch, dass sich auch die israelische Tourismusbehörde beteiligte.

Drei Jahre nach der Eröffnung verabschiedete sich Gazit aus Israel, damit seine Frau näher bei ihrer Familie im US-Bundesstaat Massachusetts leben konnte. Während sie dort gemeinsam ein Landhotel betrieben, entwickelte Gazit erneut Visionen im Kleinformat. Aus einem Bibel-Minipark in Nashville und einem Mini-Amerika in Las Vegas wurde nichts. Stattdessen nahm es Gazit mit der ganzen Welt auf.

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Miniaturwelt mit Humor im Detail

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