Nach Air-France-Unglück
Gewerkschaft fordert: Piloten sollen Airbus boykottieren

Über eine Woche nach dem Absturz der Air-France-Maschine in den Atlantik haben die Suchmannschaften nach Angaben der brasilianischen Luftwaffe das Seitenleitwerk der Unglücksmaschine geborgen. Eine Air-France-Gewerkschaft drängt derweil die Piloten dazu, Airbus-Flüge zu verweigern, wenn die Probleme nicht gelöst werden.

HB SãO PAULO. Im Atlantik geht die Suche nach den 204 noch vermissten Opfern des Flugzeugabsturzes weiter. Bis zum Montagabend (Ortszeit) konnten die Einsatzteams der Marine 24 Passagiere tot aus dem Wasser bergen, wie die gemeinsame Einsatzleitung der brasilianischen Marine und der Luftwaffe in Recife mitteilte. Am Montag wurden acht und am Wochenende 16 Leichen geborgen. Sie sollen alle zunächst auf die Insel Fernando de Noronha und anschließend weiter zur Identifizierung aufs Festland nach Recife gebracht werden. Zudem wurde ein Teil des Hecks entdeckt.

Die acht Toten wurden in einem Seegebiet gefunden, das rund 440 Kilometer nordöstlich der Sankt-Peter-und-Pauls-Felsen, einer winzigen, kahlen und unbewohnten Inselgruppe im Atlantik, liegt. Die See ist an dieser Stelle den Angaben zufolge 3500 Meter tief. An Bord des am Pfingstmontag abgestürzten Airbus waren auch 28 Deutsche. Es werde künftig nicht mehr über gesichtete, sondern nur noch über geborgene Leichen informiert, sagte ein Luftwaffen-Sprecher.

Die Suche nach dem Flugschreiber habe für die brasilianische Marine keinen Vorrang, sagte ein Sprecher dieser Waffengattung. „Unsere Aufgabe und unsere Priorität ist vor allem, die Leichen und dann die Wrackteile zu bergen.“ Er verwies auf ein französisches Atom-U-Boot, das auf dem Weg in das Absturzgebiet im Atlantik ist.

Die „Emeraude“ (Smaragd) hat hoch entwickelte Horch- und Sonartechnologie an Bord und soll vor allem die Suche nach dem Flugschreiber unterstützen. Das U-Boot wird möglicherweise am Mittwoch in der Region eintreffen. Die Bergungsmannschaften fanden inzwischen hunderte Wrackteile und persönliche Gegenstände der Passagiere, darunter Taschen, Laptops, Video- und Fotokameras, Kleidungsstücke und Papiere.

Eine Air-France-Gewerkschaft drängt derweil die Piloten dazu, sich zu weigern, mit einem Airbus A330 oder A340 zu starten, wenn nicht die externen Geschwindigkeits- und Höhenmesser zuvor ersetzt worden sind. Das geht aus einem Memorandum der Gewerkschaft Alter hervor, die rund zwölf Prozent aller Air-France-Piloten als Mitglieder hat, und das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. In den Mittelpunkt der Ermittlungen zur Absturzursache war die Vermutung aufgetaucht, dass außenliegende Instrumente des Airbus vereist waren und Sensoren daher unrichtige Informationen anzeigten.

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