Nach Anschlag Deutsche Urlauber buchen Griechenland statt Tunesien

Sonne, Strand, Sicherheitsdienst? Viele Touristen, die eine Reise nach Tunesien geplant hatten, weichen nach den dortigen Anschlägen auf ein Strandhotel auf Griechenland aus – ein kleiner Boom für das Mittelmeer-Land.
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Viele Urlauber, die eigentlich nach Tunesien wollten, buchen ihre Reise nach den Anschlägen nach Griechenland um – etwa nach Kreta. Quelle: dpa
Touristen halten Griechenland die Treue

Viele Urlauber, die eigentlich nach Tunesien wollten, buchen ihre Reise nach den Anschlägen nach Griechenland um – etwa nach Kreta.

(Foto: dpa)

FrankfurtUrlauber machen nach dem Anschlag auf ein Strandhotel einen großen Bogen um Tunesien. Ein guter Teil der jährlich rund 400 000 Tunesien-Reisenden aus Deutschland sucht nun nach sicheren Reiseländern – und beschert ausgerechnet dem krisengeschüttelten Griechenland einen kleinen Boom. Das Land sei – neben der Türkei und Bulgarien – ein beliebtes Ausweichziel für Urlauber, die derzeit nicht mehr nach Tunesien reisen wollten, sagten Sprecher der beiden großen Reisekonzerne Thomas Cook und TUI am Donnerstag.

„Die Buchungen für Griechenland wachsen leicht“, hieß es bei TUI. Die Lage vor Ort sei entspannt, die Tankstellen seien geöffnet und Geldautomaten funktionierten auch, für Touristen sogar ohne das von der Regierung verhängte Abhebelimit von 60 Euro. Insgesamt lägen die Besucherzahlen leicht über dem Vorjahresniveau. 2014 reisten 2,5 Millionen Bundesbürger nach Hellas – ein Rekord. Viele der Erholungssuchenden buchen bei TUI: Der Konzern aus Hannover ist Marktführer für Griechenland-Reisen.

Das sind die gefährlichsten Länder der Welt
Libyen
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Das Land ist vom Krieg zerrissen. Seit dem Sturz von Diktator Muhammad Gaddafi gilt Libyen als sogenannter „failed state“. Eine funktionierende Regierung gibt es nicht, Investoren machen um das Land einen großen Bogen. Mittlerweile ist das Land auch ins Visier der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ gerückt. Kein Wunder also, dass Libyen laut der aktuellen Karte des Gesundheitsrisikos von „International SOS“ auch hinsichtlich der medizinischen Versorgung eines der gefährlichsten Länder der Welt ist.

Sierra Leone
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In kaum einem anderen afrikanischen Land wütete hat das Ebola-Virus so brutal, wie im westafrikanischen Sierra Leone, eines der ärmsten Länder der Welt. Die fehlende medizinische Versorgung und das zu späte Einschreiten der internationalen Staatengemeinschaft haben erst möglich gemacht, dass das Virus derart tödliche Ausmaße annahm. Die Ebola-Epidemie konnte mittlerweile eingedämmt werden. Dennoch ist Sierra Leone nach wie vor kein risikoloses Reiseziel.

Liberia
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Wie Sierra Leone leidet auch Liberia unter der Ebola-Epidemie. Auch hier wurde zu spät reagiert. Zur fehlenden medizinischen Versorgung kommen noch katastrophale hygienische Zustände und die fehlende Sensibilisierung der Bevölkerung hinzu. Viele Liberianer blieben in Kontakt mit erkrankten Angehörigen und weigerten sich, auf Beerdigungszeremonien zu verzichten, weshalb sich das Virus immer weiter verbreiten konnte.

Simbabwe
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Während Simbabwes Diktator Robert Mugabe in Saus und Braus lebt, lässt er seine Bevölkerung in bitterer Armut darben. Eine absurd hohe Inflation, eine hohe Sterblichkeitsrate und fehlende öffentliche Investitionen – das alles interessiert den greisen Diktator wenig. Zwar leidet Simbabwe nicht unter dem Ebola-Virus, angesichts der Armut des Landes ist es als Reiseziel allerdings nicht empfehlenswert.

Syrien
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Der Bürgerkrieg in Syrien hat bisher Tausende Menschenleben gekostet. Frieden ist nicht in Sicht. Besonders problematisch ist, dass die ungeordneten Verhältnisse in Syrien eine Brutstätte für Terrorismus sind. Für Reisende ist das Land daher besonders gefährlich. Auch die desolate Gesundheitsversorgung macht Syrien zu keinem sicheren Reiseziel.

Irak
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Irakische Fußballfans in den Straßen der Hauptstadt Bagdad: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sorgt in dem krisengeschüttelten Land für bürgerkriegsähnliche Zustände. Wilde Flüchtlingslager, eine schlechte medizinische Infrastruktur und die erhöhte Unsicherheit durch Anschläge und Bombendrohungen machen die Lebensumstände im Irak besonders prekär. Das ist keine Reise wert.

Gaza
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Zerstörungen in Gaza: Palästina ist nicht sicher. Insbesondere der Gazastreifen gilt als Pulverfass. Hier kommt es immer wieder zu Scharmützeln zwischen der radikal-islamischen Hamas und der israelischen Armee. Außerdem sorgen die durch das jüngste Bombardement zerstörten Gebäude für Gefahr. Aufgrund zerstörter Leitungen, Schwelbränden und offener Kanalisationen empfiehlt sich das eingemauerte Gaza derzeit umso mehr nicht für Reisende aus dem Ausland.

Das Land steht derzeit vor einer ungewissen Zukunft: Die Fronten zwischen der Regierung in Athen und den internationalen Geldgebern sind verhärtet. Griechenland hat die Reformvorschläge von EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) abgelehnt und für Sonntag ein Referendum angesetzt. Die Unsicherheiten schrecken Touristen nach Aussage von Tourismusprofessor Volker Böttcher von der Hochschule Harz aber nicht ab, da die TV-Bilder hauptsächlich Athen zeigten.

„In den Urlaubsdestination wie Kos oder Rhodos schaut es ganz anders aus.“ Dort bekämen Urlauber kaum etwas von der Krise mit. „Und die Griechen dort freuen sich über jeden Gast.“ Und auch ein anderes Land liegt derzeit hoch in der Gunst der Urlauber: Deutschland. „Viele Bundesbürger dürften auch Urlaub im eigenen Land machen, das liegt im Trend.“ Das gute Wetter dürfte sein Übriges tun, um Deutsche hier zu halten.

Düster sind hingegen die Aussichten für die tunesische Tourismusbranche. Bei einem Anschlag Ende voriger Woche im Strandort Sousse sind 39 Menschen getötet worden, darunter auch zwei Deutsche. In der Folge werde ein beträchtlicher Teil der zuletzt 2,9 Millionen Urlauber aus Europa das Land meiden, sagte Angelo Rossini, Reisefachmann bei der Marktforschungsfirma Euromonitor. Die Touristen dürften erfahrungsgemäß mindestens zwei Jahre weg bleiben – bei neuen Anschlägen auch länger.

Wie Deutsche gern reisen – und Franzosen nicht
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New York, New York - gerade unter Deutschen ist Urlaub in Städten beliebt. Für 58 Prozent der Deutschen sind Städtereisen sogar die beste Art des Urlaubs. Die Reisesuchmaschine momondo.de hat in einer internationalen Umfrage die Vorlieben unterschiedlicher Nationen bei Städtetrips untersucht. Das Ergebnis: Nicht überall ist Urbanurlaub so beliebt wie bei uns.

Foto: Momondo

Tourismusstrategie 2025
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Noch beliebter als Städtereisen ist in Deutschland zwar der Strand - wenn auch knapp. Für 61 Prozent der Befragten ist Badeurlaub der Favorit. Dennoch sind die Deutschen begeisterte Städte-Besucher - nur Norweger und Italiener reisen noch lieber in Metropolen.

The moon rises behind the skyline of New York's Lower Manhattan as two people watch from a park along the Hudson River in New Jersey
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Der Favorit für die meisten Europäer ist der Big Apple. 61 Prozent der Deutschen reisen am liebsten nach New York und sogar 64 Prozent der Italiener. Die Amerikaner selbst sind reisetechnisch eher zurückhaltend: Nur 22 Prozent geben an, am liebsten Städteurlaub zu machen.

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Auch die Stadt der Liebe, Paris, ist eines der beliebtesten Reiseziele. Vor allem Urlauber aus Russland kommen gerne in die französische Hauptstadt. Für die Studie hat Momondo in den betreffenden Ländern jeweils circa 1000 Menschen nach repräsentativen Auswahlkriterien befragt. „Die Zahlen zeigen, dass urbanes Reisen bei vielen Nationen absolut im Trend ist aber es trotzdem großer regionale Unterschiede gibt“, sagt Julie Pedersen, Pressesprecherin bei momondo.

Foto: Momondo

Eiffelturm
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Vielleicht liegt es daran, dass sie eine der berühmtesten Weltstädte direkt im eigenen Land haben: Die Franzosen haben laut der Untersuchung wenig Interesse, andere Städte zu besuchen. Mit elf Prozent bildet Frankreich das Schlusslicht bei den Städteliebhabern.

Fernseturm in Berlin
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Ganz anders in Deutschland. Obwohl auch hier pulsierende Großstädte auf Besucher warten, entdecken die Deutschen gerne andere urbane Gebiete. Von den Deutschen Urlaubern waren im letzten Jahr immerhin 52 Prozent ein bis zwei Mal in einer fremden Stadt. Damit liegen sie auf Platz zwei.

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Noch weiter vorne liegen nur die Italiener: Von ihnen haben 57 Prozent in den letzten zwölf Monaten ein bis zwei Städtereisen gemacht.

Foto: Momondo

Daran ändern auch die verschärften Sicherheitsmaßnahmen vor Ort nichts. „Stellen sie sich vor, sie liegen am Strand und vor ihnen patrouillieren Sicherheitsleute mit einem Maschinengewehr“, sagte Professor Böttcher zu Reuters. Ein entspannter, sorgenloser Urlaub sehe anders aus. „Die Bilder von dem Anschlag werden noch lange in den Köpfen bleiben.“

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