Nach dem Unglück
Schiffe sind unterwegs zur Absturzstelle

An der Absturzstelle der Air-France-Maschine im Atlantik werden im Laufe des heutigen Mittwoch die ersten Schiffe der brasilianischen Marine erwartet. Doch die Chancen, zwei Tage nach dem Unglück noch Überlebende zu finden, werden als äußerst gering eingeschätzt. Die Marine soll vor allem die Wrackteile des Airbus A 330-200 bergen – was schwierig werden dürfte.

HB SAO PAULO. Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim hatte am Dienstagabend in Rio bestätigt, dass die rund 1200 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Festlandküste entdeckten Wrackteile zu der Air-France-Maschine gehören. „Die Trümmer sind von dem Flugzeug. Daran gibt es keine Zweifel.“ Die Fundstelle liegt 650 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Insel Fernando de Noronha und in der Nähe der sogenannten Sankt-Peter-und-Pauls-Felsen, einer winzigen, kahlen und unbewohnten Inselgruppe im Atlantik.

In dem Airbus der Air France befanden sich etliche Topmanager, darunter Erich Heine, Vorstandsmitglied der Thyssen Steel AG und Aufsichtsratsvorsitzender des brasilianischen Thyssen-Krupp-Joint-Ventures Companhia Siderúrgica do Atlântico. Der 42-jährige gebürtige Südafrikaner Heine war erst im Mai 2008 nach Brasilien gewechselt. Er sollte dort den Aufbau des größten Stahlwerks des Konzerns außerhalb Deutschlands beschleunigen. Denn Verzögerungen beim Bau und steigende Kosten in Brasilien belasteten zunehmend den Gesamtkonzern in der Stahlkrise. Die Baukosten hatten sich von ursprünglich drei auf 4,5 Mrd. Dollar erhöht. Heine galt als Hoffnungsträger der Stahlsparte des Konzerns.

Auch Luis Roberto Anastácio, der Lateinamerika-Präsident von Michelin, sowie Antonio Augusto Gueiros, Informatik-Direktor des Unternehmens, waren an Bord des Flugzeugs. Zu den Passagieren zählten zudem drei Angestellte von StatoilHydo, eine Assistentin des Petrobras-Präsidenten José Luis Gabrielli sowie Marco António Camargo Mendonça, Direktor des Erzkonzerns Vale, der Kabinettschef des Bürgermeisters von Rio de Janeiro und der Prinz der brasilianischen Königsfamilie, Pedro Luis de Orleans e Bragança. In der Pariser Kathedrale Notre-Dame findet am Mittwochnachmittag eine Messe für die vermissten Passagiere statt.

Es ist die größte zivile Luftfahrt-Katastrophe seit 2001, als beim Absturz einer American-Airlines-Maschine kurz nach dem Start in New York 265 Menschen ums Leben kamen. Der Airbus A 330 hatte in der Nacht zum Montag knapp vier Stunden nach dem Start in Rio ein Dutzend automatischer Fehlerwarnungen gesendet. Laut Frankreichs Premier François Fillon zeigen diese, dass „alle Systeme während drei Minuten außer Betrieb waren“. Air France hatte zuvor vom Ausfall „mehrerer Apparate“ gesprochen. Die Airline verwies darauf, dass eine derartige Situation bei diesem Flugzeugtyp „noch nie dagewesen“ sei. Der französische Versicherer Axa trägt nach eigenen Angaben die Hauptlast der Versicherungskosten des vermissten Airbusses.

Die Hinweise auf die Absturzstelle der Air-France-Maschine hatten sich am Dienstag verdichtet, nachdem die brasilianische Luftwaffe einen auf dem Wasser treibenden Passagiersitz sowie Metallteile und Öl- und Kerosin-Spuren sichtete. Die Wrackteile seien auf eine Länge von fünf Kilometern verstreut, berichtete Jobim, der vor der Pressekonferenz im Hotel Windsor in Rio de Janeiro die Familien und Freunde der Opfer informiert hatte.

Die Schiffe könnten nicht schneller am Einsatzort sein, sagte der Minister. Allerdings halten sich an der Absturzstelle auch drei Handelsschiffe – zwei niederländische und ein französisches – auf. Möglicherweise können sie bei der Bergung der Wrackteile helfen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat keiner der Passagiere das Unglück überlebt. Jobim wollte aber nicht über die Überlebenschancen sprechen. „Die Suchoperation basiert auf Fakten und Resultaten, nicht auf Hypothesen“, sagte er. Eine Air-France-Sprecherin kündigte für Mittwoch die Bekanntgabe der Passagierliste an.

Seite 1:

Schiffe sind unterwegs zur Absturzstelle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%