Nahverkehrsstreik
New Yorker müssen improvisieren

Den zweiten Tag in Folge mussten am Mittwoch Millionen New Yorker sehen, wie sie ohne Busse und Bahnen durch den Großstadt-Dschungel kommen. Der Streik im Nahverkehr hat die Bewohner der US-Metropole zum Improvisieren gezwungen. Zwar blieb der befürchtete Verkehrskollaps aus, jedoch kam es an den Brücken nach Manhattan zu langen Staus.

HB NEW YORK. Bei Minustemperaturen stapften erneut Hunderte Menschen über die Brooklyn Bridge, an deren Ende Freiwillige mit heißer Schokolade warteten. Im Internet suchten zahlreiche Pendler Mitfahrgelegenheiten. Andere stiegen aufs Fahrrad um, machten sich zu Fuß oder auf Inline-Skates auf den Weg zur Arbeit. Anlass für den ersten derartigen Streik seit 25 Jahren war das Scheitern von Tarifverhandlungen.

Wegen der andauernden Verkehrsprobleme kochten die Emotionen vor Beginn der Weihnachtsfeiertage vereinzelt hoch. „Ihr Ratten“, titelte etwa die Zeitung „New York Post“ an die Adresse der Streikenden. Die Protestaktion der TWU richtet sich unter anderem gegen Pläne der Arbeitgeber, das Renten-Alter für neue Mitarbeiter anzuheben und diese für einen Teil ihrer Altersversorgung selbst aufkommen zu lassen. Sollte der Ausstand eine Woche dauern, würde das nach kommunalen Berechnungen die Metropole New York teuer zu stehen kommen: Die Kosten werden für diesen Fall auf rund 1,6 Mrd. Dollar veranschlagt.

Viele New Yorker nahmen den Streik jedoch überraschend gelassen, packten sich in warme Wintersachen und machten sich per Rad oder zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt. Andere stiegen auf Fahrgemeinschaften um. „Fährt irgendjemand heute Abend von der Met nach Brooklyn?“, schrieb ein New Yorker, der offenbar seine Karten für die Metropolitan Opera nicht verfallen lassen wollte, auf einer Internet-Seite für Mitfahrgelegenheiten.

Der Inhaber eines Fahrrad-Ladens in Manhattan sagte, sein Geschäft habe wegen des Streiks länger geöffnet, weil viele Kunden ihre alten Räder wieder fit machen wollten. „Es kommen eine Menge Leute mit platten Reifen.“ Einige New Yorker versuchten, dem Streik auch eine positive Seite abzugewinnen. „Ich brauche Bewegung“, sagte ein 42-Jähriger, der auf Inline-Skates die Brooklyn-Bridge überquerte. „Es ist ein wunderschöner Tag. Ich glaube, ich werde auch zur Arbeit skaten, wenn der Streik vorbei ist.“

Bürgermeister Michael Bloomberg kritisierte hingegen, die Geschäfte und Restaurants hätten so kurz vor Weihnachten erhebliche Einbußen hinnehmen müssen, weil viele Menschen auch einfach zu Hause geblieben seien. „Dieser Streik tut vielen Leuten weh“, sagte er. Die Protestaktion sei egoistisch und beschämend.

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