Neuer Katalog
Ikea lässt die Sofas tanzen

Eine App soll den neuen Ikea-Katalog zum Leben erwecken – etwa durch Videos mit tanzenden Sofas. Die abrufbaren Extras sind aber wie ein Ikea-Möbel, bei dem man zum Ende des Aufbaus merkt, dass die letzte Schraube fehlt.
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DüsseldorfIkea glaubt, sie gefunden zu haben: die letzte fehlende Schraube. Die, die dem schwedischen Unternehmen an dem Möbelstück fehlte, das in die digitale Innovation führen soll. Die neue Schraube heißt App und das alte Möbel Katalog.

Bis Mitte September landen von den 31 Millionen Exemplaren des 336 Seiten starten Druckwerks fast 26,5 Millionen in den deutschen Hausfluren. Der Katalog lebt bei Ikea weiter. Dabei ist er ein Relikt aus Zeiten, in denen noch ständig die Kanne Filterkaffee auf den deutschen Küchentischen stand und Tapeten mit beigefarbenem Ringelmuster noch schick waren. Als man noch schick sagte.

Spätestens mit dem Ende der großen Versandhäuser war auch das Ende des Katalogs eingeläutet. Während der Quelle-Katalog 2010 zum letzten Mal in den deutschen Briefkästen lag, hat auch Otto – der letzte große Riese – nur noch eine Auflage von rund fünf Millionen Stück. Auch der letzte Neckermann-Katalog ist längst ausgeliefert.

Doch bei dem Möbel-Riesen verhält es sich anders: Der Katalog ist nicht Pfeiler des Unternehmens, es ist ein launiges Add-On für echte Ikea-Fans, unter denen die „Einrichtungsbibel“ längst Kultstatus hat. Und ein solches Add-On ist auch die App selbst, die die Ikea-Möbel „zum Leben erwecken“ soll. Durch sie will Ikea das angestaubte Prinzip Katalog in die hippe Moderne führen.

Leben auf den geduldigen Seiten Papier soll das Prinzip der Augmented Reality (etwa „erweiterte Realität“) bringen. Auf gut 40 der 336 Seiten ist ein stilisiertes Smartphone abgebildet. Hält man sein echtes Smartphone (mit installierter App) in etwa 30 Zentimetern darüber und drückt den angezeigten Scan-Button, öffnen sich plötzlich Schranktüren, man kann Möbelstücke drehen, den Esstisch erweitern oder sehen, dass man auf der Arbeitsplatte der Küche Teig ausrollen oder Tischtennis spielen kann.

Oder man hört Ikeas Creative Director Mats Nilsson in einem Video erläutern, was er sich bei der auf der Katalogseite gezeigten neuen Design-Kollektion gedacht hat. In einem anderen Video beginnen Sofas zu tanzen. Meist aber besteht die erweiterte Realität via Smartphone in weiteren Bildern der Möbelstücke. Wer kein Smartphone hat, kann sich immerhin einen Teil der Augmented Reality auch über die Homepage holen.

Seite 1:

Ikea lässt die Sofas tanzen

Seite 2:

Absturzgefährdet, unscharf, ohne Scan-Tool

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