Neues Nutzungskonzept für Flughafen
Tempelhof soll die Reichen der Welt anlocken

Der Streit um die Zukunft des Berliner Traditionsflughafens Tempelhof wurde neu entflammt. Auslöser ist das Konzept eines amerikanischen Investors, der aus der über 80 Jahre alten Immobilie ein luxuriöses Gesundheitszentrum machen will.

BERLIN. Während mehrere Fluggesellschaften vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg um den Erhalt des Flugbetriebes prozessieren, strebt die Deutsche Bahn gemeinsam mit dem Investor eine Lösung an, bei der nur der Geschäftsreiseflugverkehr auf dem stadtnahen Flugplatz weiter laufen könnte. Diese Pläne werden aber vom Schließungsbeschluss des Berliner Senats bedroht: Ende Oktober 2007 sollen in Tempelhof die Lichter ausgehen.

Fred Langhammer von der amerikanische Investorengruppe Central European Development habe ein überzeugendes Nutzungskonzept für die Tempelhof-Immobilie vorgelegt, sagte Wolf-Dieter Siebert, Chef der Bahntochter Station & Service. Die Amerikaner wollten den zu Nazi-Zeiten geschaffenen, bombastischen Bau mit seinem mehr als einem Kilometer langen Gebäudekomplex und fast 10 000 Räumen in ein hochwertiges, ambulantes Gesundheitszentrum mit rund 1 000 Arbeitsplätzen verwandeln. Hinzu kommen sollen ein Kongresshotel, Gastronomie, Büros und Unterhaltungsangebote. Für eine derartige Nutzung sei die Aufrechterhaltung des Geschäftsreise-Flugbetriebes („General Aviation“) in Tempelhof eine wesentliche Voraussetzung, ergänzte ein Bahn-Sprecher. Man erwarte, dass das Gesundheitszentrum vor allem „die Reichen der Welt“ wie etwa arabische Scheich-Dynastien anspreche, die bevorzugt mit dem Privatjet anreisten. Langhammer plane eine Investition in der Größenordnung von 350 Mill. Euro, das sei doch schon etwas für Berlin.

Die Bahn wolle entsprechend ihrem Selbstverständnis als Mobilitätsdienstleister ausschließlich die Abfertigung der Privatflieger übernehmen. „Wir haben Erfahrung im Betreiben von Verkehrsimmobilien, da kommt es letztlich nicht darauf an, ob es sich um einen Bahnhof oder einen Flughafen handelt“, sagte ein Sprecher. Zur Höhe eines finanziellen Engagements der Bahn machte er keine Angaben.

Bei Ex-Bahnchef Heinz Dürr finden die Pläne ungeteilte Zustimmung. „Es wäre ein absoluter Schwachsinn, wenn man den stadtnahen Flughafen Tempelhof nicht für die General Aviation erhält“, sagte Dürr dem Handelsblatt. Die Piste, nur zehn Autominuten vom Bundeskanzleramt und Reichstag entfernt, sei ein unverzichtbarer Vorteil für Berlin, meint Dürr. Er ist Mitglied des Aufsichtsrats der Fördergesellschaft Berlin Partner, die von der Wirtschaft initiiert wurde. Es gebe kein großes Wirtschaftsunternehmen in Deutschland, das nicht für den Erhalt der Privatfliegerei in Tempelhof sei. Insofern sollte der Schließungsbeschluss, der schon im Jahr 1996 getroffen worden ist, überdacht werden.

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