Nicht in Köln übernachten
Bayer-Konzern macht Front gegen Kölner „Bettensteuer“

Bei Städtereisen in Deutschland droht nach Einschätzung der Reiseindustrie ein deutlicher Preisschub. Die Experten befürchten, dass das Kölner Beispiel einer „Bettensteuer“ Schule machen wird. Der Leverkusener Bayer-Konzern hat bereits reagiert und rät vor Übernachtungen in der Domstadt ab.
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HB KÖLN/DüSSELDORF. Der Leverkusener Bayer-Konzern empfiehlt seinen Mitarbeitern, wegen der Kölner „Bettensteuer“ Hotels in der Domstadt zu meiden. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, rät das „Bayer-Reisebüro“ BayerTravelBoard: „Wir empfehlen zukünftige Buchungen alternativ in Leverkusen oder Düsseldorf zu platzieren.“ Bayer-Sprecher Hans-Bernd Schmitz bestätigte dem Blatt den Vorgang und nannte dafür Kostengründe. Es handele sich nicht um eine Dienstanweisung, sondern um eine Empfehlung.

„Das gilt aber nicht grundsätzlich, sondern nur, wenn es wirklich Sinn macht. Wenn jemand in Köln eine Messe besuchen will, soll er natürlich nicht in Düsseldorf absteigen“, sagte Schmitz auf Anfrage. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga will gegen die neue Abgabe klagen und notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen.

Die Stadt hatte die „Bettensteuer“ im März beschlossen und erhebt die Fünf-Prozent-Abgabe auf Hotelübernachtungen seit 1. Oktober 2010. Das Geld soll in den Kulturetat der Millionenstadt fließen.

Die Reiseindustrie befürchtet, dass das Kölner Beispiel einer „Bettensteuer“ Schule machen wird. Die Zusatzkosten für eine solche Steuer dürften nach Einschätzung der im Auftrag des Travel Industry Club (Neu-Isenburg) befragten Manager überwiegend die Gäste tragen müssen. In Köln wird seit dem 1. Oktober eine Steuer von fünf Prozent auf den Übernachtungspreis in einem Hotel aufgeschlagen.

In der Umfrage unter Entscheidern der deutschen Reiseindustrie äußerten 88 Prozent der Befragten die Befürchtung, dass in absehbarer Zeit auch andere Kommunen eine solche „Bettensteuer“ erheben werden.

98 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Hotels die Abgabe voll an ihre Gäste durchreichen werden. An der Erhebung des auf Touristik spezialisierten Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Trendscope in der letzten Septemberwoche beteiligten sich 254 Manager. Der Travel Industry Club ist ein Entscheidernetzwerk von Führungskräften der Reiseindustrie.

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