Notfahrplan
In Berlin bleibt das S-Bahn-Chaos aus

Notfahrplan, gesperrte S-Bahn-Gleise - und gelassene Berliner: In der Bundeshauptstadt ist es in den öffentlichen Verkehrsmitteln am Montag deutlich enger als sonst. Doch vom befürchteten Mega-Chaos im Berufsverkehr war trotz massiver Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr keine Spur - auch, weil die S-Bahn nach massiven Einschränkungen der letzten Tage Glück im Unglück hatte.

HB BERLIN. Viele Berliner zeigten sich gelassen. Sie quetschten sich in Regionalzüge und die wenigen verbliebenen S-Bahnen, stiegen auch aufs Rad oder fuhren mit dem Auto, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Das Eisenbahn-Bundesamt zog zwei Drittel der mehr als 500 S-Bahn-Züge wegen nachlässiger Wartung von Rädern aus dem Verkehr. Den Rädern hatte die Behörde zuvor mangelnde Dauerfestigkeit bescheinigt. Der Aufforderung, deshalb die Prüfintervalle zu verkürzen, war die S-Bahn nicht nachgekommen.

Auf der zentralen Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt fahren seit Montag zwischen Ostbahnhof und Bahnhof Zoologischer Garten keine S-Bahnen mehr. Als Ersatz sind sieben Regionalzüge pro Stunde in beide Richtungen unterwegs. Am Bahnhof Alexanderplatz versperrten rot-weiße Bänder den Zugang zu den Rolltreppen auf den S-Bahnsteig. Dort was das gläserne Aufsichtshäuschen verwaist.

Die Reisenden mussten öfter umsteigen als üblich. Sie wurden auf U-Bahnen und Busse verwiesen, Regionalzüge fuhren in dichterem Abstand, bedienten aber nicht alle Haltestellen. Aufgestellte Tafeln verwiesen auf die Regionalzüge am Nachbarbahnsteig. Am Morgen waren die doppelstöckigen Bahnen proppevoll, selbst auf den Treppen in den Wagen kauerten Reisende - trotzdem herrschte fast gespenstische Ruhe. Nahezu alle Abstellmöglichkeiten im Netz waren von stillgelegten Zügen belegt. Normalbetrieb herrschte lediglich auf der Ringbahn. Voraussichtlich bis zum 9. August soll der Notfahrplan gelten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte die Berliner zu Solidarität und Rücksichtnahme aufgerufen.

Am Bahnhof Friedrichstraße sagte der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma mit leuchtend oranger Weste: "Im Prinzip läuft alles, es sind nur ganz wenige Leute nervös." Er steht für Fragen von Fahrgästen bereit. In einer Bäckerei am S-Bahnhof Tiergarten, der nun abgeschnitten ist, beklagte der Filialleiter: "Wir haben heute schon 75 Prozent weniger Umsatz. Wenn das so weitergeht, machen wir jeden Tag Verlust von bis zu 1000 Euro - wir leben von den Bahnkunden."

Der Notbetrieb sei "unter dem Strich relativ gut angelaufen", sagte ein Bahnsprecher. Die Kunden hätten Alternativen gesucht. "Nach derzeitigem Stand gab es bislang keine Überfüllungen oder Reisende, die zurückbleiben mussten", sagte der Sprecher.

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