Notfahrplan
S-Bahn-Chaos in Berlin wohl bis Anfang 2010

In Berlin fährt den fünften Tag in Folge nur ungefähr ein Viertel aller S-Bahnen. Mit Ersatzbussen versuchen die Verkehrsbetriebe, das Chaos in Grenzen zu halten. Doch wann der Berliner S-Bahn-Verkehr wieder zur Normalität zurückkehren wird, ist unklar, womöglich erst im kommenden Jahr – und unter hohen finanziellen Einbußen.
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HB BERLIN. Die Berliner S-Bahn kehrt womöglich nicht vor März 2010 zu normalem Betrieb zurück. Das meldete das Münchner Magazin "Focus" am Samstag unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Die Bahn AG rechnet nach einem Bericht des Münchner Magazins "Focus" mit hohen finanziellen Einbußen. Finanzvorstand Diethelm Sack habe bei der jüngsten Sitzung eingeräumt, dass sie im Extremfall zwischen 100 und 200 Mio. Euro liegen könnten.

Nach Mängeln an Achsen und Rädern wurden bei der Tochtergesellschaft seit 2004 systematisch Tauschvorschriften bei Bremszylindern an den S-Bahnwagen ignoriert, die Arbeiten in den Protokollen aber als durchgeführt registriert.

Bei fast 300 S-Bahn-Zügen müssten laut Aufsichtsratskreisen womöglich bis zu 4 800 Bremszylinder ausgetauscht werden, berichtete "Focus". Doch so viele Ersatz-Aggregate seien nicht vorhanden. Sie müssten erst bei seinem italienischen Zulieferer bestellt werden. Der Konzernvorstand um Bahnchef Rüdiger Grube rechne im schlimmsten Fall mit einem Normalbetrieb für die Berliner S-Bahn frühestens ab März 2010.

Am fünften Tag in Folge fuhr am Samstag in der Hauptstadt nur ungefähr ein Viertel der etwa 650 Züge. Mit Ersatzbussen konnten die Berliner Verkehrsbetriebe den Notfahrplan am Samstag "relativ stabil" einhalten. Die Ringbahn war im 10-Minuten-Takt unterwegs, in die Außenbezirke der Metropole fuhr alle 20 Minuten ein Zug, wie ein Bahnsprecher in Berlin mitteilte. Seit dem frühen Morgen fuhren auch diverse Ersatzbusse. Die zentrale Ost-West-Verbindung der S-Bahn vom Alexanderplatz bis zum Westkreuz ist nach wie vor gesperrt.

Bereits Anfang Juli war der S-Bahn-Verkehr wegen Mängeln an den Achsen und unzureichender Wartung in vergleichbarer Dimension zusammengebrochen.

Die Deutsche Bahn AG allerdings hoff, noch in diesem Jahr zu normalen Verhältnissen zurückkehren zu können. "Wir setzen alles daran, keine neuen größeren Verzögerungen im bisher anvisierten Zeitplan eintreten zu lassen", sagte ein Bahnsprecher am Samstag

Als "völlig aus der Luft gegriffen" bezeichnete der Sprecher auch Angaben des "Focus", der Mutterkonzern rechne mit finanziellen Einbußen im Extremfall zwischen 100 und 200 Mio. Euro. "Nach allem, was wir wissen, liegt der Schaden deutlich darunter." 15 Mio. Euro fallen allein dadurch aus, dass der Berliner Senat als Besteller statt der monatlich vereinbarten 20 Mio. Euro für den S-Bahn-Betrieb im September nur fünf Mio. überwiesen hat. Auch für Juli waren sieben Mio. einbehalten worden.

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