Ostseeinseln
Deutsche Vogelbank

In der Ostsee, zwischen Usedom und Rügen, liegen zwei kleine, nahezu unbekannte Inseln mit bewegter Vergangenheit – Ruden und die Greifswalder Oie. Regelmäßig lassen sich Hunderte von Kormoranen in den Naturreservaten zur Rast nieder. Auf den Inseln sind sie fast unter sich.

DÜSSELDORF. Wie ein Denkmal für den „unbekannten Wasservogel“ ruht der schwarze Kormoran auf dem Pfeiler des grünlich verwitternden Landungsstegs. Sein gesträubtes Gefieder hebt sich gegen die Umrisse des alten Peenemünder Kraftwerks für einen Moment unwirklich ab, bis das kleine Motorboot „Seeadler“ weitergetuckert ist, Ruden entgegen.

Kurz vor dem Inselchen, das mit rund 22 Hektar Grundfläche ungefähr halb so groß ist wie die Bodenseeinsel Mainau, scheuchen wir eine vielhundertfache Schar von Kormoranen auf. Ihr Ruheplatz ist vor dem Richtfeuer Ruden, einem Signalturm, der den Schiffen zwischen Usedom und Rügen den Weg durch die Untiefen markiert. Die Kormorankolonie sieht zu, dass sie Land gewinnt, vielleicht drüben auf den Steinen des Riffs der Insel, dem die schwarzen Vögel die Gestalt einer Riesenbürste mit Hunderten kurzer Borsten geben. Dem lauernden Verweilen der ungeliebten, weil unersättlich Fisch fressenden Kormorane können Inselbesucher (und argwöhnende Ostseefischer) vom ehemaligen Messturm zuschauen. Von hier wurden im Zweiten Weltkrieg die Flugbahnen von Raketen verfolgt, die siebeneinhalb Kilometer landeinwärts in Peenemünde abgefeuert wurden.

Heute ist auf dem Turm eine kleine Aussichtsplattform; im Innern führt Inselwartin Ursula Toth durch ein kleines Informationszentrum, das (Natur-)Geschichte und Gegenwart Rudens dokumentiert. Das Inselchen begann als Lotsenstation – ein blechverkleideter, olivgrüner Turm aus dem Jahre 1903 ist erhalten geblieben. Im Zweiten Weltkrieg war die Insel quasi Wernher von Braun und seiner Peenemünder Heeresversuchsstelle unterstellt. Bis zum Ende der DDR waren hier regelmäßig bis zu 20 Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) stationiert; an der grauen Kaserne mit ihren toten Fensteraugen führt Ursula Toth heute Besucher vorbei, die zum alten Messturm wollen.

Daran, dass Ruden offiziell eine Art Grenzstation ist, erinnern gelegentliche Besuche der Bundespolizei, aber auch ein arg verwitterter schwarz-rot-goldener Grenzpfahl. Und daran, dass ihr Leben in der Einsamkeit nicht unbedingt freudlos sein muss, erinnern witzige Exponate aus dem Schaffen der beiden Inselbewohner.

In einem rostigen Kasten finden wir beispielsweise das „Rudentelefon – nur für Selbstgespräche. Schnurlos / Selbstbildwiedergabe“; nebenan dürfen wir das reine Chaos bestaunen, in Form eines Schifferknotens („gestiftet vom unbekannten Seemann“). Und drüben, vor dem Wellblech der Hafenmeisterei und unweit des Plumpsklos, könnte man sich entweder auf der grün gestrichenen „Sandbank“ gedulden oder auf der „Deutschen Bank“ nebenan.

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