Panikattacken waren gestern
Mit „Stones“ gegen Flugangst

Manche suchen Panikattacken heim, anderen ist’s mulmig zumute: Was tun bei Turbulenzen und beim Schaukeln durch die Luftlöcher?

HB DÜSSELDORF. Wenn es die „Anonymen Flugangsthasen“ gäbe, würde ich mich immer mal wieder zu ihren Sitzungen begeben, vielleicht mit dem Eingeständnis: „Ich bin der Business Traveller, und ich habe manchmal Flugangst“. Das nämlich könnte der erste Schritt zu ihrer Überwindung sein – sich selbst und anderen einzugestehen, nicht frei von Beklemmungen zu sein, die sich über den Wolken einstellen. Wir sind nicht allein mit dieser Plage, welche die einen vor Flugreisen zurück schrecken lässt, den anderen ein mulmiges Gefühl beschert.

So ähnlich war mir irgendwann im vergangenen Herbst ums bange Herz – Berlin-Paris –, als das Flugzeug aus dem Wackeln nicht mehr herauszukommen schien und von einem Luftloch in die nächste Turbulenz sackte. Eine Passagierin links vor dem Business Traveller schrie immer lauter auf, rang immer hektischer um Luft, hyperventilierte schier. Ihr Glück war, dass zufällig ein Pilot neben ihr saß, der wohl zu einem Anschlussflug unterwegs war. Mit ruhiger, fast einschläfernder Stimme sprach er auf die panische Passagierin ein, vollzog in sparsamem, eindrucksvollem Gestenspiel den Kurs unserer Maschine nach, berührte manchmal den verkrampften Arm seiner Nachbarin leicht, beschrieb einfach und ernsthaft die wichtigsten technischen Abläufe während unseres turbulenten Fluges. Schließlich brachte seine einfühlsame Rationalität die Passagierin zur Ruhe. Beim Aussteigen konnte sich der Business Traveller nicht verkneifen, dem Piloten zu danken: „Auch mir haben Sie sehr geholfen“. Durch Information.

Von zwei wirksamen Hebeln, Flugangst zu lindern, schreibt denn auch der Fachautor Frank Littek in seinem Buch „Fliegen ohne Angst (Reise-Know-How-Verlag): „Verstehen der Vorgänge während des Fluges und das Erlernen von Entspannungstechniken“. Physik und Metaphysik, sozusagen. Manche empfehlen Techniken des „Autogenen Trainings“. Dazu war der Business Traveller bisher zu trainingsfaul. Ich ziehe, wenn es wackelt und rumort, meine eigenen Musik- und Atemtechniken vor - die sich für mich als kurzfristig heilsam erwiesen haben: Erstens rockmusikalische Klassiker, gerne die Stones („Sympathy for the Devil“). Zweitens: Unter der Frischluftdüse tiefe Luftzüge inhalieren und in kurzen Stößen spürbar auspumpen. Vielleicht sind’s komplizierte psychische Prozesse, die dann wirken – vielleicht auch nur eine Art Beschäftigungstherapie, die verhindert, mich mit der eigenen Flugangst tatenlos beschäftigen zu müssen.

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