Platz für 24 000 Zuschauer schaffen neue Tribünen
Nordisches Fieber im Allgäu

Oberstdorf ist Austragungsort der Weltmeisterschaften in Skisprung und Langlauf.

Ottmar Barbian, Sport- und Tourismusdirektor von Oberstdorf, macht sich lustig über die alten Zeiten beim Langlauf: "Rein in den Wald, raus aus dem Wald, und plötzlich hat jemand gewonnen." Doch das ist vorbei. Langlauf sei als Sport spannender geworden, neuen Wettkampfformen sei Dank, sagt Barbian.

So bietet die Loipe im Langlaufstadion Ried am südlichen Ortsrand von Oberstdorf jetzt reichlich Platz für publikumswirksame Sprints. Barbian verspricht: "Die Zuschauer haben die Athleten oft im Blick." Und wenn sie hinter der Anhöhe des Burgstalls verschwinden? Na, dann bleibt immer noch die Kulisse aus Nebelhorn, Schattenberg und Kegelkopf.

Denn Oberstdorf, im äußersten Süden der Republik gelegen, ist zwischen dem 16. und 27. Februar Schauplatz der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. In den Disziplinen Langlauf, Skisprung und Nordische Kombination wird gekämpft. Rund 1 500 freiwillige Helfer rüsten den 10 000- Einwohner-Ort seit Monaten für den Ansturm. Zu den Wettkämpfen werden 400 Sportler, 1 500 Journalisten und über 300 000 Zuschauer erwartet. Langlauf ist auch für deutsche Fans wieder aufregender geworden - Medaillenhoffnungen wie Axel Teichmann, Rene Sommerfeldt und Claudia Kuenzel sei Dank.

Dem neuen Langlaufstadion musste ein Hektar Fichtenwald weichen. Der wurde in Absprache mit Naturschutzverbänden aber an anderer Stelle aufgeforstet. Nachhaltigkeit - diesen Aspekt unterstreicht Sportdirektor Barbian. Zuschauertribünen und Athletendorf werden nach der Veranstaltung wieder abgebaut, nur ein einziger Bau aus Holz wird das Gelände dauerhaft markieren. Die 7,5 Kilometer lange Wettkampf-Loipe steht nach der Weltmeisterschaft allen Gästen offen

.

Auch sie können dann von der 140 Meter hohen Skisprungschanze weit ins Tal schauen, auf der seit 1953 das Auftaktspringen der Vierschanzentour stattfindet. Für die Weltmeisterschaften wurde der Anlauf der Springer um 15 Meter verlängert, die Flutlichtanlage nachgerüstet - schließlich beginnen die Wettbewerbe 2005 erstmals am späten Nachmittag.

Platz für 24 000 Zuschauer schaffen neue Tribünen. Sie sollen sich künftig auch bei außersportlichen Veranstaltungen füllen. Denn rund 23 Millionen Euro kostete der Umbau des traditionsreichen Schattenbergstadions. Und den ebenso traditionsreichen Namen: Für die kommenden zehn Jahre heißt das Rund nach einem Münchener Weißbierbrauer "Erdinger Arena" - zum Unmut vieler Einheimischer wie Max Bolkart.

"Das Skispringen hat sich enorm verändert", sagt er und zupft seine Mütze zurecht. "In jeder Hinsicht." Der 72-jährige gebürtige Oberstdorfer ersprang in den 50er- und 60er-Jahren vier Mal den deutschen Meistertitel und einmal den Tourneesieg, ganz altertümlich mit geschlossenen Beinen, die weißen Fäustlinge über den Kopf gestreckt. "Auch von Diätkost hielten wir damals nicht viel." Bolkart erzählt gern von den alten Zeiten, zwischendurch platzt ein herzliches Lachen aus ihm heraus.

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