Prada oder Primark?
Wenn der Vater nach Modestil ausgewählt wird

Einer künstlichen Befruchtung geht meist ein komplexer Entscheidungsprozess voraus. Viele Faktoren wollen vor dem Gang zur Samenbank berücksichtigt werden - in London offenbar auch der Modegeschmack des Erzeugers.
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DüsseldorfDen Vater ihres Kindes suchen sich Frauen, die eine Samenbank durchstöbern, oft nach nur wenigen physischen Einzelheiten aus - weil sie kaum eine andere Wahl haben. Details wie die Größe, Haar- und Augenfarbe des Mannes sind in der Regel fast alles, was an Informationen zur Verfügung stehen. Den guten - oder eben nicht so guten - Geschmack in Sachen Mode oder grundlegende Wesenszüge lassen sich der Spende nicht ansehen. Bald wird diese schwierige Zeit für die Suchenden aber vorbei sein - denn eine Samenbank in London hat sich des Problems angenommen.

In einer neuen Datenbank werden die künftigen Mütter sich den Vater ihres Kindes demnächst nicht nur nach Charaktereigenschaften und Interessen, sondern sogar nach Modebewusstsein auswählen können. Das alles ist in einem Online-Prospekt der London Sperm Bank für unfruchtbare Paare, ledige und lesbische Frauen zu lesen, wie die englische Nachrichtenseite des Internetdienstes AOL berichtet.

Um das umzusetzen, müssen sich die Männer, die ihren Samen spenden, dem kritischen Auge des Klinikpersonals stellen und außerdem angeben, warum sie überhaupt spenden wollen. Ein zusätzlicher Bonus für die Kundin: Frau muss die Samenbank nicht persönlich besuchen um ihren ganz eigenen Spender auszusuchen - sie kann den Katalog ganz komfortabel von zuhause aus aufrufen und sich auf dem heimischen Sofa entscheiden.

Die Beschreibungen in der Datenbank darf man sich dann in etwa folgendermaßen vorstellen: „Sehr individuell, eigen und künstlerisch in seiner Wesensart. Er pflegt in Sachen Erscheinung ein spezielles „Rockstar Image“, auf seinen Lebensstil und sein Selbstvertrauen trifft das allerdings keineswegs zu." Einen anderen beschrieb das Personal so: „Schüchtern, aber spricht wenn man ihn auffordert mit Leidenschaft über Dinge die ihm wichtig sind: nämlich Kunst, Musik und Fotografie.“ Ein weiterer Spender wird wie folgt etikettiert: „spricht ruhig, selbstreflektiert, tief in Gedanken versunken“ und ist „ordentlich und zwanglos“ gekleidet.

Eines darf wohl als sicher gelten: Für das Kind, dass einer Samenbank entstammt, wird es bestimmt hilfreich sein, wenn es über seinen Vater wenigstens weiß, dass der einen grandiosen Geschmack für Mode hatte.

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